Dichte Spuren einer fremden Sprache
Graue Gehirnsubstanz verändert sich bei zweisprachig aufgewachsenen Menschen
Die Struktur des Gehirns kann sich durch das frühe Erlernen einer zweiten Sprache verändern: Zweisprachler haben eine größere Dichte von Nervengewebe, der grauen Substanz, in einem mit Sprachfertigkeit verbundenen Teil des Gehirns. Das berichten Forscher um Andrea Mechelli vom Wellcome Department of Imaging Neuroscience in London im Fachmagazin Nature (Bd. 431, S. 431).
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Die Wissenschaftler verglichen die Unterschiede in der Dichte von grauer und weißer Substanz von englischen Muttersprachlern mit Probanden, die zusätzlich Italienisch als zweite Sprache erlernt hatten. Bei letzteren unterschieden die Forscher zwischen Versuchspersonen, die ihre zweite Sprache vor dem fünften Lebensjahr oder erst zwischen dem zehnten und dem 15. Lebensjahr erlernt hatten.
Die Dichte der grauen Substanz ist bei zweisprachig aufgewachsenen Menschen größer als bei einsprachigen, besonders wenn diese die zweite Sprache früh erlernten, ergab die Auswertung. Die Veränderungen in der Dichte waren besonders deutlich am so genannten linken unteren Parietalcortex erkennbar, einer für Sprache zuständigen Region des Hirns. Die Veränderungen in der Struktur des Gehirns waren zudem bei zweisprachigen Probanden umso ausgeprägter, je bessere Sprachkenntnisse sie aufweisen konnten.
Die Fähigkeit des Menschen, mehr als eine Sprache erlernen zu können, ist daher nicht eine genetische Anlage, sagen die Forscher. Sie basiert auf der Fähigkeit des Gehirns, sich neu zu strukturieren und so auf umgebungsbedingte Anforderungen zu reagieren. Die Wechselbeziehung von struktureller Veränderung und Leistungsfähigkeit könnte eine generelle, nicht nur sprachenspezifische Funktionsstruktur des Gehirns sein, vermuten die Forscher.
ddp/bdw – Eva Hörschgen

















