Evolutionstheorie für Sprachen
Modell erklärt die häufige Dominanz einer einzigen Sprache in abgeschlossenen Regionen
Eine Gruppe von Physikern der Universität Köln hat aus der Biologie entlehnte Simulationstechniken der Evolution auf die Entwicklung von Sprachen angewandt. Dabei wird eine Sprache durch eine Folge von einzelnen Bits dargestellt, und deren zufällige Mutationen stellen das Aufkommen von neuen Sprachen dar. Den Forschern zufolge kann das Modell die relative Verbreitung von Sprachen erfolgreich nachbilden.
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Das von Dietrich Stauffer und Christian Schulze ersonnene Verfahren ist eng mit den in der Biologie so bekannten Evolutionsmodellen verwandt. Während dort allerdings die Entwicklung eines bestimmten Gens über mehrere Generationen hinweg verfolgt wird, wenden die beiden Physiker die gleiche Technik auf Sprachen an.
Dabei codieren die Physiker eine bestimmte Sprache mit entweder 8 oder 16 Bits. Verschiedene Sprachen werden so durch unterschiedliche Abfolgen von Nullen und Einsen dargestellt, und die Mutation eines einzelnen Bits reicht aus, um eine neue Sprache entstehen zu lassen.
In ihrem Modell beginnen die Forscher mit nur einer einzelnen Sprache und einer einzigen Person und lassen die Population dann auf zehn Millionen Individuen anwachsen. Bei jeder Fortpflanzung kann dabei eine Bitmutation des Sprachmusters mit einer zuvor festgelegten Wahrscheinlichkeit auftreten, und zudem können Individuen innerhalb einer Generation vor ihrer erfolgreichen Fortpflanzung sterben.
Das zentrale Ergebnis dieser Studie ist die Tatsache, dass relativ hohe Mutationsraten erforderlich sind, um die Dominanz einer nur einzelnen Sprache zu verhindern. Den Forschern zufolge stimmt dies mit statistischen Untersuchungen der Entwicklung von Sprachen überein. Derzeit ist allerdings noch nicht abzusehen, ob ihre Methode Linguisten überzeugen kann.
Die Forscher haben ihre Studie auf dem Los Alamos Pre-Print Server veröffentlicht.
Stefan Maier

















