Was Borstenwürmer im Darm zu suchen haben
Endoskope nach dem Vorbild der Kriechtiere sollen herkömmliche Geräte ersetzen
In Zukunft sollen sich die Endoskope bei Darmspiegelungen selbstständig durch den Darm bewegen: Ein internationales Forscherteam entwickelt Miniroboter nach dem Vorbild von Borstenwürmern, die sich mithilfe von Schlängelbewegungen und kleinen seitlichen Paddeln fortbewegen können. So könnten die häufig schmerzhaften Darmuntersuchungen angenehmer werden, hoffen die Wissenschaftler. Über das Projekt berichtet die Informationsgesellschaft für Technologie IST der Europäischen Kommission in Brüssel.
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Bei herkömmlichen Darmspiegelungen wird eine Kamera an einem verformbaren Arm durch den Darm geschoben. Da es jedoch sehr schwierig ist, die relativ steifen Geräte an jede Darmwindung anzupassen, kann diese Prozedur recht schmerzhaft werden und in seltenen Fällen sogar die Darmwand verletzen. Um das unangenehme Schieben des Instruments zu umgehen, suchten die Forscher um Paolo Dario von der Hochschule in Pisa nach einem Vorbild aus der Natur, das sich in wässrigen, unstrukturierten Umgebungen fortbewegen kann.
Ihre Wahl fiel auf die tausendfüßlerähnlichen Borstenwürmer, die im Meer leben und mit Leichtigkeit durch sandigen und lehmigen Untergrund schwimmen können. Aufgrund ihrer an jedem Segment befestigten Borsten haben sie dabei eine größere Vielfalt von Bewegungsmöglichkeiten als andere Würmer: Sie können bei geradem Körper ausschließlich ihre Beinchen bewegen, sich ohne Borstenbeteiligung winden oder sich schlängeln und gleichzeitig die Borsten benutzen. Nach diesem Prinzip haben die Forscher bereits einige mehrgliedrige Prototypen gebaut, die diese Bewegungen nachahmen können.
Bis zur Entwicklung eines Endoskops ist es jedoch noch ein weiter Weg. So muss beispielsweise noch eine Möglichkeit gefunden werden, wie sich die mechanischen Würmer an der Darmwand festhalten können. Auch das bisher verwendete Metall ist ungünstig und soll bei späteren Modellen durch einen glatten Kunststoff ersetzt werden. Außerdem sind die Roboter noch zu langsam. Für eine Strecke, wie sie bei einer Darmspiegelung zurückzulegen wäre, benötigen sie mehr als eine halbe Stunde, während die momentan verwendeten Endoskope lediglich zehn Minuten brauchen.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















