Wachstumsschub im Ohr
Forschern gelang es, Haarzellen im Innenohr von Mäusen nachwachsen zu lassen
Die für das Hören und den Gleichgewichtssinn zuständigen Haarzellen des Innenohrs können wieder nachwachsen. Das haben amerikanische Forscher in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen. Die Wissenschaftler von der Harvard Medical School blockierten dabei das so genannte Rb-Protein, das die Vermehrung der Haarzellen hemmt. Daraufhin bildeten sich neue Zellen aus. Über ihre Ergebnisse berichten Zheng-Yi Chen und seine Kollegen im Fachmagazin Science (Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1126/science.1106642).
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Die Forscher züchteten einen Mäusestamm, dem das für die Produktion des Rb-Proteins nötige Gen fehlte. Als Folge wuchsen in den Ohren der genetisch veränderten Mäuse wesentlich mehr Haarzellen als in ihren natürlichen Artgenossen, wie die Wissenschaftler beobachten konnten. Da in diesen Zellen die natürliche Wachstumskontrolle ausgeschaltet war, teilten und vermehrten sich die Zellen unaufhörlich.
Ihre Ergebnisse sehen die Wissenschaftler als ersten Schritt zur Heilung von Gehörschäden und Gleichgewichtsstörungen beim Menschen. Das Abschalten des Wachstumshemmers könnte auch beim Menschen Haarzellen wieder nachwachsen lassen. Doch bis dahin müsse noch sehr viel Grundlagenforschung betrieben werden, fügt Zheng-Yi Chen hinzu. Mit dem Ausschalten des entsprechenden Gens sei es nämlich nicht getan, erklärt er, denn unkontrolliertes Zellwachstum könne zu einem Tumor im Innenohr führen. Es müsse ein Weg gefunden werden, das Gen nach der Heilung des Gehörschadens wieder einzuschalten, um den natürlichen Zustand wieder herzustellen.
Jeder Mensch besitzt von Geburt an rund 50.000 Haarzellen, die ihren Namen den etwa 100 Sinneshärchen auf ihrer Oberfläche verdanken. Geräusche von außen erzeugen in den Zellen ein elektrisches Signal, das über den Hörnerv an das Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet wird. Durch starken Lärm, Infektionen, Gifte oder manche Medikamente können im Laufe des Lebens immer mehr Haarzellen zerstört werden, was zu Hörschäden und Gleichgewichtsstörungen führt. Bislang glaubten Wissenschaftler, dass bei Säugetieren, anders als bei Fischen, Amphibien und Vögeln, zerstörte Haarzellen nicht mehr nachwachsen können.
ddp/wissenschaft.de – Birgit Buchroithner

















