Sprachlos, aber nicht wortlos
Babys lernen abstrakte Worte schon im ersten Lebensjahr
Bereits vor ihrem ersten Geburtstag können Babys Begriffe lernen, mit denen sie keinen ständigen Umgang haben. Das haben britische Psychologen bei mehr als fünfzig Kindern beobachtet. Damit widerlegen die Forscher die gängige Ansicht, dass Kinder im ersten Lebensjahr lediglich Wörter lernen können, die von unmittelbarem Interesse für sie sind oder zum Tagesablauf gehören – etwa Bad, Auto oder Bett. Ihre Untersuchungen schildern Graham Schafer von der Universität in Reading und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Child Development (Ausgabe Januar/Februar 2005).
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Die Forscher baten die Eltern von 52 neun Monate alten Babys, vier Mal in der Woche zehn Minuten lang einfache Spiele mit ihren Kindern zu spielen. Dabei sollten sie den Kleinen mithilfe von Bilderbüchern und Bildkarten einfache Begriffe wie Fisch, Äpfel oder Schlüssel nahebringen. Nach drei Monaten überprüften die Psychologen, was die Kinder gelernt hatten: Sie präsentierten den kleinen Probanden jeweils zwei Bilder. Dazu nannten sie einen der beiden dargestellten Gegenstände und wiesen die Babys an, diesen anzusehen.
Kinder, die mit ihren Eltern das spielerische Trainingsprogramm absolviert hatten, schauten im Gegensatz zu untrainierten gleichaltrigen stets auf das richtige Bild. Sowohl die speziellen Bilder als auch die Stimmen und die gesamte Situation waren neu für die Kleinen. So können die Forscher sicher sein, dass die Babys tatsächlich den Begriff selbst und nicht etwa eine bestimmte Situation oder einen Zusammenhang gelernt haben.
"Eltern sollten sich bewusst sein, dass es keine Altersgrenze gibt, ab der ihre Kinder in der Lage sind, neue Wörter zu lernen", sagt Schafer. "Sie sollten definitiv auch mit ihren ganz kleinen Kindern reden – sogar mehr, als sie es vielleicht schon tun", so der Rat des Psychologen.
ddp/wissenschaft.de – Cornelia Dick-Pfaff


















