Was Muschelschalen mit Wikingersagen zu tun haben
Sowohl die Schalen als auch die Geschichten spiegeln den Klimaverlauf auf Island wider
In den Schalen von Muscheln und Schnecken sind die Temperaturschwankungen in Island während der letzten 2000 Jahre detailliert aufgezeichnet worden. Kanadische Forscher berichteten jetzt auf dem jährlichen International Arctic Workshop in Alberta, dass die alten isländischen Wikinger-Sagas den Verlauf des Klimas überraschend deutlich widerspiegelten.
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Tod, Verrat und Zerstörung sind zentrale Themen der isländischen Sagenwelt. Wie der Geologe William Patterson von der University of Saskatchewan und seine Kollegen jetzt herausfanden, nahm der Streit unter den Nordmännern immer dann zu, wenn die Temperaturen auf der unwirtlichen Inseln sowohl während des Sommers als auch im Winter sanken. "Vor unseren Untersuchungen konnten wir nur spekulieren, aber jetzt haben wir den Beweis, dass es einen Zusammenhag zwischen den Temperaturen und der sozialen Situation auf Island gab", sagt Patterson.
Er und seine Kollegen untersuchten die Schalen von Weichtieren, die sie bei einer Bohrung im Meeresboden vor der Halbinsel Vestfirdir im Nordwesten Islands gewonnen hatten. Je nach Temperatur und Niederschlag bauen die Tiere unterschiedlich schwere Sauerstoff- und Kohlenstoff-Atome in ihre Schale ein. Den Ergebnissen zufolge war es auf Island um 80 vor Christus, 850 nach Christus und um 1740 am wärmsten. Während der so genannten kleinen Eiszeit, zwischen 1350 und 1850, nahmen die Temperaturen generell ab, schwankten aber stärker als vorher.
Für die Isländer machen sich selbst geringe Temperaturschwankungen stark bemerkbar: Wenn die Temperatur im Sommer um ein Grad sinkt, nimmt die Ernte um 15 Prozent ab.
Die in der nordischen Edda beschriebene Götterdämmerung, in der sich Götter und Helden nach vielen Jahren ohne Sommer gegeneinander wenden und die Welt zerstören, repräsentiert nach Pattersons Meinung eine weiter zurückliegende Zeit.
Ute Kehse

















