Von wegen zielloses Flattern: Schmetterlinge fliegen vorausschauend
Winziges Radargerät ermöglicht es Forschern erstmals, die Flugbewegungen der Insekten nachzuvollziehen
Schmetterlinge sind deutlich zielstrebiger unterwegs, als es ihr taumelnder Flug oft vermuten lässt. So sind sie in der Lage, bis zu 200 Meter weit voraus zu schauen und ihren Flug damit der Umgebung anzupassen. Das haben britische Wissenschaftler mithilfe eines extrem leichten Radargeräts gezeigt. Dieses befestigten sie an den zarten Insekten und konnten so deren Flug bis zu einen Kilometer weit verfolgen. Die Schmetterlinge waren durch das Gerät kaum beeinträchtigt, erklären Lizzie Cant vom Rothamsted-Forschungsinstitut in Hertfordshire (GB) und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1098/rspb.2004.3002).
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Bisher mussten sich Experten vor allem auf ihre Augen verlassen, wenn sie Feldstudien an Schmetterlingen durchführen wollten. Nun konnte das Team um Lizzie Cant zum ersten Mal die Flugwege einzelner Schmetterlinge über hunderte von Metern weit verfolgen. Die Forscher nutzen dazu eine Radarmethode, bei der ein Sendegerät am Boden in regelmäßigen Abständen Mikrowellen aussendet. Diese werden von einem Antwortsender reflektiert, der am Körper der Schmetterlinge angebracht ist. Mit nur 12 Milligramm entspricht sein Gewicht lediglich 4 bis 8 Prozent des Körpergewichts der Tiere, erklären die Forscher. Er behindert ihren Flug daher so gut wie gar nicht.
Insgesamt konnten die Wissenschaftler mithilfe des Radars 30 Flüge von Pfauenaugen und Kleinen Füchsen aufzeichnen und dabei zwei Hauptflugstile der leichten Insekten identifizieren: einen schnellen geraden und einen langsameren, mehr schleifenförmigen Flugstil. Durch das Schleifenfliegen orientieren sich die Tiere möglicherweise bei der Futtersuche, vermuten die Forscher.
Die zarten Flugkünstler ließen sich auch durch landschaftliche Besonderheiten beeinflussen. Während ein niedriger Bewuchs kaum einen Effekt hatte, änderte sich die Flugrichtung der Schmetterlinge, wenn sie sich einer dichten Baumgrenze näherten: Statt direkt auf sie zuzufliegen, drehten sie ab und flogen eher parallel zur Baumlinie weiter. Für die Schmetterlinge bieten dichte Baumgruppen und Wälder keine angenehme Umgebung, erklären die Forscher. Sie scheinen solche für sie ungünstigen Bedingungen schon aus 200 Metern zu erkennen und durch rechtzeitiges Abdrehen von vorneherein zu meiden.
ddp/wissenschaft.de – Stefanie Offermann


















