Manche Fische mögen's laut
Korallenriffe mit lärmenden Bewohnern haben eine größere Anziehungskraft auf junge Fische als leisere
Junge Fische schwimmen bevorzugt zu Korallenriffen, auf denen es laut zugeht. Das haben Wissenschaftler in Experimenten am Great Barrier Reef vor Australien gezeigt. Je nach Fischfamilie spielt auch die Frequenz der Töne eine Rolle. Riffbarsche zum Beispiel bevorzugen hochfrequente Geräusche. Bohrlärm und Schiffsmotorengeräusche könnte also junge Fische beeinflussen. Vielleicht machen es die neuen Erkenntnisse künftig aber auch möglich, Fische gezielt zu Zuchtanlagen oder in neu geschaffene Meeresreservate zu führen.
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Die Larven der meisten Korallenriff-Fische entwickeln sich im offenen Meer, wobei sie sich gezielt im Wasser fortbewegen können. Die meisten Jungfische schwimmen, noch bevor sie ausgewachsen sind, zu ihrem Heimat-Riff zurück. Wie sich die Fische dabei orientieren, war bisher nicht bekannt. Als eine mögliche Orientierungshilfe wurden Schallwellen vermutet, da diese sich gut im Wasser ausbreiten können. Zudem war bekannt, dass Fische und Wirbellose Geräusche machen können, die kilometerweit zu hören sind.
Nun haben Wissenschaftler das Rätsel gelöst. Dazu benutzten die Forscher Unterwasserlautsprecher, die an bestimmten Riffen nachts Geräusche von Knallgarnelen – auch Pistolenkrebse genannt – und Fischrufe aussendeten. Frühmorgens sammelten die Wissenschaftler an "lauten" und "leisen" Riffen die Jungfische ein, die sich dort eingefunden hatten. Hauptsächlich Kardinalfische und Riffbarsche wurden beobachtet, wobei beide Familien häufiger an lauten Riffen vorkamen als an leisen. In einem weiteren Experiment sendeten die Forscher von einigen Riffen hochfrequente Krabbenlaute aus, von anderen Riffen niederfrequente Fischgeräusche. Während die Kardinalfische nicht zwischen den verschiedenen Frequenzen unterschieden, bevorzugten die Riffbarsche Korallenriffe, die hochfrequente Geräusche aussendeten.
Die Lärmbelastung der Meere durch den Menschen, speziell der Bohrlärm und die Motorengeräusche der Schiffe, könnte also einen negativen Einfluss auf die heranwachsenden Fische haben. Andererseits könnten aber die Fischzüchter von den neuen Erkenntnissen profitieren. Es wird vielleicht möglich, Fische gezielt zu den Zuchtanlagen zu leiten und die Fischbestände dort aufzustocken. Zudem könnten Fische in neu geschaffene Meeresreservate geführt und ihnen so ein neuer Lebensraum geboten werden.
Stephen Simpson (University of Edinburgh) et al: Science, Bd. 308, 8. April, S. 221
ddp/wissenschaft.de – Katharina Schöbi

















