Zellen auf der Streckbank
Dehnungstest verrät, ob eine Zelle gesund oder bösartig ist
Leipziger Wissenschaftler haben einen extrem empfindlichen Krebstest entwickelt, mit dem gleich bei der ersten Diagnose das Stadium eines Tumors bestimmt werden kann. Kernstück des neuen Tests ist eine Art physikalische Streckbank, auf der verdächtige Zellen auseinandergezogen werden. Da die relativ unspezialisierten Krebszellen deutlich weicher sind als gesunde Zellen, können sie auf diese Weise leicht identifiziert werden. Gleichzeitig gibt das Dehnungsverhalten der Zellen Auskunft darüber, ob ein Tumor bereits Metastasen gebildet hat oder nicht: Je leichter sich die Zellen dehnen lassen, desto wahrscheinlicher ist die Ausbreitung.
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Im Gegensatz zu herkömmlichen Tests, für die mehrere 10.000 bis 100.000 Zellen benötigt werden, brauchen die Leipziger nur etwa 50 Zellen für ihre Diagnosemethode. Zum Testen wird jede Zelle einzeln mit einem Infrarotlaser bestrahlt und durch den dabei übertragenen Impuls gedehnt. Entartete Zellen, die ihre ursprüngliche Funktion und damit auch ihre ursprüngliche stabile Form verloren haben, setzen dieser Dehnung dabei weniger Widerstand entgegen als gesunde Zellen, die meist ein recht festes inneres Gerüst besitzen. Diesen Unterschied können die Forscher messen: Je weiter der Laser die Zelle auseinanderziehen kann, desto weicher ist sie.
Dank der geringen Zellmenge, die für den Test benötigt wird, kann er auch dann eingesetzt werden, wenn klassische Biopsien nicht möglich sind, berichten die Forscher. Auch die Suche nach Metastasen wird deutlich vereinfacht, da schon am Primärtumor festgestellt werden kann, ob Tochtergeschwülste vorhanden sind oder nicht. Vielen Krebspatienten könnten so überflüssige Chemotherapien nach der operativen Entfernung eines Tumors erspart werden. In ersten Tests prüfen die Forscher, wie gut ihr System zur Früherkennung von Krebs in Mund und Rachen geeignet ist und wie zuverlässig es Stadien bei Brustkrebspatientinnen erkennen kann.
Das Lasersystem kann jetzt schon etwa 3.600 Zellen pro Minute durchmessen und ist damit schnell genug für Routineanwendungen in der Klinik. Um möglichst bald mit großen klinischen Studien beginnen zu können, suchen die Forscher nun nach Partnern aus der Industrie.
Josef Käs, Jochen Guck (Universität Leipzig): Konferenzbeitrag "Physics 2005", Warwick
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















