Wie Ameisenpflanzen Opportunisten abwehren
Akazien verdauen ihren Nektar vor, so dass er nur den nützlichen Untermietern schmeckt
Bestimmte Wirtspflanzen von Ameisen produzieren einen speziellen Nektar ohne Rohrzucker für die auf ihnen lebenden Ameisen. Das haben deutsche Forscher herausgefunden. Die in Mittelamerika lebenden Ameisen der Gattung Pseudomyrmex ernähren sich vom dargebotenen Nektar, schützen dafür jedoch die Pflanzen vor Fraßfeinden. Andere Ameisen mögen diesen speziellen Nektar nicht. So verhindern die als Myrmecophyten bezeichneten Ameisenpflanzen, dass Ameisen angelockt werden, die nur zum Fressen kommen. Diese Erkenntnisse verbessern das Verständnis von Pflanzen-Tier-Wechselwirkungen, schreiben die Forscher.
ANZEIGE
Akazien leben mit Ameisen in einer Art Mutualismus, bei dem beide Partner voneinander profitieren: Die Ameise erhält von der Pflanze Nektar, beschützt sie aber dafür vor Fraßfeinden, Krankheitserregern und konkurrierenden Pflanzen. Die Akazie muss aber verhindern, dass patrouillierende Ameisen vorbeikommen und sich von ihrem Nektar ernähren, ohne dabei der Pflanze zu nützen. Die Forscher haben nun herausgefunden, dass die Akazien den Ameisen Nektar anbieten, der keine Saccharose (Rohrzucker) enthält.
Die Forscher boten bei ihrer Studie den auf Akazien lebenden Ameisen und auch patrouillierenden Ameisen im Labor Nektar mit unterschiedlichem Zuckergehalt an. Die auf den Akazien lebenden Ameisen bevorzugten saccharosefreien Nektar, patrouillierende Ameisen jedoch mieden diesen und fraßen nur vom süßeren Nektar. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass den auf den Akazien lebenden Ameisen ein bestimmtes Enzym fehlt, das die Saccharose abbaut. In patrouillierenden Ameisen jedoch ist das Enzym reichlich vorhanden, ebenso im Nektar. Die Saccharose im Nektar wird erst nach der Ausscheidung abgebaut. Die Pflanze stellt den Ameisen ihren Nektar sozusagen "vorverdaut" zur Verfügung.
Diese Studie zeigt zum ersten Mal, dass es im Nektar von Pflanzen ein derartiges Verdauungsenzym gibt. Die Forscher vermuten, dass es auch in vielen anderen Symbiosen solche Enzyme gibt. Weitere Untersuchungen in dieser Richtung sollen Aufschluss über die hohe Spezialisierung der Pflanzen-Tier-Wechselwirkungen geben.
Martin Heil et al. (Max-Planck-Institut, Jena): Science Bd. 308, S. 560
ddp/wissenschaft.de – Katharina Schöbi


















