Mit Unterwasser-Show auf Kundenfang
Putzergarnelen werben mit wiegenden Tanzbewegungen für ihre Dienste
Putzergarnelen nutzen eine ganz besondere Art der Eigenwerbung, um potenzielle Kunden auf ihre Dienste aufmerksam zu machen: Sie tanzen mit wiegenden Bewegungen hin und her, haben australische Forscher entdeckt. Interessierte Fische erkennen so auf einen Blick die Bereitschaft der kleinen Krebse, sie von Parasiten und anderem lästigem Material auf ihrer Haut zu befreien. Je hungriger die eher unauffälligen Garnelen dabei sind, desto intensiver und auffälliger werden ihre Tanzbewegungen und desto häufiger finden sie einen Auftraggeber.
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Putzergarnelen leben genau wie Putzerfische von Parasiten und abgestorbenen Hautschuppen, die sie von der Haut von Fischen entfernen. Doch diese Lebensweise ist nicht ungefährlich. Zu bestimmten Zeiten sind Putzer zwar gern gesehene Gäste bei ihren Kunden, doch beginnen sie im falschen Moment mit dem Putzen, werden sie nicht selten von den Fischen aufgefressen. Um solche potenziellen Konflikte zu vermeiden, müssen sie eindeutige Zeichen setzen: Sie müssen mögliche Kunden auf sich aufmerksam machen und ihnen gleichzeitig deutlich, aber unaufdringlich ihre Bereitschaft zum Putzen signalisieren. Putzerfische führen dazu beispielsweise stark ritualisierte Bewegungen durch.
Um der Werbestrategie der Putzergarnele "Urocaridella sp. C" auf die Spur zu kommen, beobachteten Justine Becker und ihre Kollegen Korallenriffe vor der australischen Lizard-Inselgruppe. Dabei entdeckten sie, dass auch die kleinen, fast durchsichtigen Krebse typische Tanzbewegungen machten: Immer dann, wenn sich ihnen ein potenzieller Kunde wie beispielsweise ein blaufleckiger Zackenbarsch näherte, wiegten sich die Garnelen hin und her. Diese Strategie führte in 100 Prozent der Fälle zu einer Übereinkunft zwischen Putzer und Kunde, beobachteten die Forscher.
Bei Tests im Labor fiel den Wissenschaftlern eine weitere Eigenheit des Tanzes auf. Hungrige Garnelen schwammen deutlich näher an ihre potenzielle Kunden heran und tanzten auch sehr viel ausdauernder als ihre gesättigten Artgenossen. Auch diese Strategie geht in den meisten Fällen auf, beobachteten die Forscher: Vor die Wahl zwischen einem hungrigen und einem gesättigten Tänzer gestellt, bevorzugten praktisch alle Fische den hungrigen, beharrlichen Putzer. Im Gegensatz zu den Putzerfischen scheint demnach bei den Garnelen nicht die Konfliktvermeidung das Hauptziel des Tanzes zu sein, schreiben die Forscher. Vielmehr steht offenbar der Reklameaspekt im Vordergrund, da für die unauffälligen Tiere, die zurückgezogen in Höhlen und Felsspalten leben, eine gute Eigenwerbung überlebenswichtig ist.
Justine Becker et al. (Universität von Queensland, St. Lucia): Current Biology, Bd. 15, S. 760
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















