Wie ein Rattenschwanz einer Pflanze bei der Fortpflanzung helfen kann
Zusatztrieb dient Vögeln als Sitzstange beim Nektartrinken und verbessert so den Transport der Samen
Um ihre Fortpflanzungschancen zu verbessern, bieten südafrikanische Schwertliliengewächse einen besonderen Service für Vögel an: Sie lassen extra eine stabile Sitzstange wachsen, von der aus die Tiere bequem den Nektar in den Blütenkelchen erreichen können. Diese Stange ist so geschickt platziert, dass sich die Vögel über die Staubgefäße der Blüten beugen müssen und der Pollen an ihrer Brust haften bleibt. So erreichen die Knollenstauden einen deutlich höheren Anteil an Fremdbestäubung als ohne die Vogelstange, konnte ein kanadisch-südafrikanisches Forscherteam nun zeigen.
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Es ist kein Zufall, dass das Schwertliliengewächs mit dem wissenschaftlichen Namen Babiana ringens im englischen Sprachraum auch "Rattenschwanz" genannt wird: Das auffälligste Merkmal der Pflanze ist ein nackter, dicker Trieb, der steil nach oben ragt und tatsächlich einem Rattenschwanz ähnelt. Dieser Trieb hat offenbar keine andere Funktion, als Vögeln als Sitzstange zu dienen, hatten Forscher schon früher vermutet. Von dieser Position aus können die Tiere mit ihrem Schnabel leicht den süßen Nektar der in Bodennähe wachsenden, aufwärtsgebogenen Blüten erreichen. Das ist genau das, was die Rattenschwanzpflanze erreichen möchte: Da sie ihren Pollen nicht von Insekten verteilen lässt, sondern hauptsächlich von Malachit-Nektarvögeln, ist das Anlocken der Tiere essentiell für ihren Fortpflanzungserfolg.
Und diese Strategie geht tatsächlich auf, entdeckten die Forscher. Sie entfernten bei einigen Rattenschwanzpflanzen den zusätzlichen Trieb und beobachteten, wie viel Besuch von Nektarvögeln diese Pflanzen im Vergleich zu ihren intakten Artgenossen bekamen. Die Vögel bevorzugten dabei ganz deutlich die Pflanzen mit Landeplatz, zeigte die Auswertung. Das hatte auch deutliche Konsequenzen für die Fruchtbarkeit der Pflanzen: Die weiblichen Exemplare ohne Zusatztrieb produzierten 47 Prozent weniger Samen als die ursprüngliche Variante, und die Forscher fanden einen wesentlich höheren Anteil an Selbstbefruchtung.
Der rattenschwanzartige Ast hilft den Pflanzen demnach dabei, den Anteil an Fremdbefruchtung zu erhöhen und so ihre eigenen Gene mit denen anderer Exemplare zu vermischen, schließen die Forscher. Besonders für die männlichen Vögel stellt der Zusatztrieb dabei offenbar einen deutlich angenehmeren Landeplatz dar als der Boden – wahrscheinlich deswegen, weil ihre langen Schwanzfedern den Start vom sandigen Boden aus erschweren.
Bruce Anderson (Universität von KwaZulu-Natal, Pietermaritzburg) et al.: Nature, Bd. 435, S. 42
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel




















