Ein Ohr für Fledermäuse
Gottesanbeterinnen haben ihr Gehör auf die Schreie ihrer Feinde ausgerichtet
Die Gottesanbeterin hat einen speziellen Trick, um hungrigen Fledermäusen zu entkommen: Mit ihrem einzigen Ohr erkennt sie die speziellen Ultraschallwellen ihrer Feinde und rettet sich mit einem Sturzflug vor dem Gefressenwerden, konnten amerikanische Forscher beobachten.
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Fledermäuse benutzen die so genannte Echoortung, um herauszufinden, wo sich mögliche Beutetiere befinden. Sie senden Schallwellen aus und können anhand des zurückgeworfenen Echos die genaue Position der Beute bestimmen. Zuerst senden die Fledermäuse ihre Rufe nicht so häufig aus. Wenn sie aber ein Beutetier entdecken, beginnen sie häufiger zu rufen, damit sie öfter Angaben über den genauen Aufenthaltsort des Tieres erhalten. Der Übergang zu diesen häufigen Ruflauten passiert kontinuierlich, kann aber auch sehr schnell vor sich gehen, erklären die Forscher.
Die Gottesanbeterin lässt sich genau dann sturzflugartig fallen und bringt sich so vor der Fledermaus in Sicherheit, wenn diese zwischen 20 und 40 Mal pro Sekunde ruft. Dabei ist der Übergang zu dieser schnellen Ruffrequenz ausschlaggebend, ob die Heuschrecke entkommt oder gefressen wird: Wechselt die Fledermaus sehr schnell zwischen weniger häufigen und häufigen Rufen, reagiert die Gottesanbeterin spät – oft erst kurz vor dem Angriff ihres Feindes. Geschieht der Übergang jedoch schrittweise, beginnt die Schrecke ihren rettenden Sturzflug viel früher. Dies erhöht stark ihre Chancen, lebend zu entkommen.
Diese vom Ohr gesteuerte Fluchtreaktion der Gottesanbeterin ist zwar effektiv, hat aber trotzdem noch Schwächen. Optimal wäre deshalb eine Art Bereitschaftssystem, mit dem die Heuschrecke kurz vor dem Angriff der Fledermaus einen letzten Fluchtversuch starten könnte. Netzflügler wie beispielsweise Libellen haben zum Beispiel ein solches System im Gehör, das sie aufgrund der häufigen Rufe kurz vor dem Angriff der Fledermaus zu einem letzten Rettungsmanöver antreibt. Bei der Gottesanbeterin könnte das auf Luftströme reagierende System am Schwanz diese Aufgabe übernommen haben, vermuten die Forscher. Bevor Fledermäuse ihre Beute packen, produzieren sie starke Luftströmungen, die eine Veränderung beim Flügelschlag der Gottesanbeterin auslösen. Dies könnte zu einer Veränderung in der Flugroute führen, wodurch die Gottesanbeterin ihrem Feind entkommen könnte.
Jeffrey Triblehorn und David Yager (Universität von Maryland, College Park): Journal of Experimental Biology, Bd. 208, S. 1867
ddp/wissenschaft.de – Katharina Schöbi

















