Kauziges Erfolgsmodell in Grau
Eulen mit grauen Federn haben mehr Nachwuchs und eine höhere Lebenserwartung als braungefärbte Tiere
Graue Waldkäuze leben länger und zeugen mehr Nachkommen als ihre braunen Artgenossen. Das haben finnische Biologen festgestellt. Trotzdem müssen die braunen Typen in bestimmten Situationen Vorteile haben, denn die grauen Käuze konnten sich im Lauf der Jahre nicht durchsetzen.
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Das Gefieder des Waldkauzes ist grau oder rotbraun. Die Farbe ist genetisch bedingt und wird an die Nachkommen weitervererbt. Die Farbe des Federkleides beeinflusst jedoch auch die Fitness der Käuze, konnten die Forscher nun feststellen. So zeugen graue Männchen und Weibchen während ihres Lebens ein Drittel mehr Jungtiere als braune Tiere, und graue Männchen haben sogar doppelt so viel Nachwuchs wie braune. Der größere Fortpflanzungserfolg der grauen Tiere hängt damit zusammen, dass sie länger leben als die braunen und deshalb mehr Brutzeiten erleben.
Die höhere Lebenserwartung der grauen Waldkäuze könnte mit einer besseren Tarnung in einer schneebedeckten Landschaft zusammenhängen. Doch in den dunklen finnischen Wäldern hätten wiederum braune Tiere einen Vorteil. Welche Rolle die Farbe für die Tarnung nun tatsächlich spielt, wissen die Forscher jedoch noch nicht.
Sie vermuten aber, dass die Farbe das körperliche Leistungsvermögen beeinflusst. Italienische graue Waldkäuze haben zum Beispiel ein besseres Immunsystem als ihre braunen Artgenossen, und helle Käuzchen haben geringere Ansprüche an ihren Stoffwechsel und deshalb im Winter eine höhere Überlebenschance als dunkle. Zudem sollen helle Federn besser isolieren als dunkle. Bei den im hohen Norden lebenden finnischen Eulenvögeln müsste jeder immunologische oder energetische Vorteil der hellen Tiere ihre Überlebenswahrscheinlichkeit im Winter stark erhöhen.
Trotz der Vorteile, die ein graues Federkleid mit sich bringt, konnte es sich nicht gegenüber dem braunen Gefieder durchsetzen. Ein Grund dafür ist, dass sich die Waldkäuze nicht nach Farben getrennt paaren. Zudem vermuten die Forscher, dass räumliche oder zeitliche Veränderungen in der Umgebung der Tiere abwechselnd einmal den grauen und einmal den braunen Tieren einen Vorteil bringen.
Jon Brommer (Universität von Helsinki) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1098/rspb.2005.3052
ddp/wissenschaft.de – Katharina Schöbi

















