Explosive Vermehrung
Blüte schleudert Pollen mit Katapultmechanismus mit 2.400 g in die Höhe
US-Forscher haben die schnellste bislang bekannte Bewegung bei Pflanzen beobachtet: Die Blüten des Kanadischen Hartriegels Cornus canadensis öffnen sich in weniger als einer halben Millisekunde. Die kleine Blütenpflanze schleudert bei ihrer explosiven Öffnung ihren Pollen weit von sich.
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Die Biologen machten Hochgeschwindigkeitsaufnahmen von der Blütenöffnung des Kanadischen Hartriegels, der in dichten Teppichen in sumpfigen Waldgebieten der nordamerikanischen Taiga gedeiht. Bei der Öffnung der Blüte trennen sich die Blütenblätter ruckartig voneinander und schlagen auf, wobei sie die Staubblätter enthüllen. Diese entfalten sich und setzen dabei den Pollen über einen Mechanismus frei, der einem hocheffektiven mittelalterlichen Katapult ähnelt. Auf diese Weise gelangen die Pollenkörner schließlich in eine eindrucksvolle Höhe von rund 2,5 Zentimetern, was etwa dem Zehnfachen der Höhe der Blüte entspricht.
Auch die Beschleunigung ist rekordverdächtig: Innerhalb von 0,3 Millisekunden werden die Staubblätter mit dem 2400fachen der Erdbeschleunigung auf Geschwindigkeit gebracht. Das ist rund achthundertmal mehr als ein Astronaut beim Start einer Rakete aushalten muss. Dabei erreichen die Staubblätter Geschwindigkeiten von etwa 3 Metern pro Sekunde und sorgen damit für einen guten Antrieb für den Pollentransport. Die Pollenkörner können so in geschlossenen Räumen mehr als 22 Zentimeter von der Blüte weggeschleudert werden. Im Freien trägt der Wind sie sogar mehrere Meter weit fort.
Mit seiner Pollenschleuder fördert der Kanadische Hartriegel einerseits die Bestäubung durch Insekten. Lässt sich nämlich ein schweres Insekt – etwa eine Hummel – auf der Blüte nieder, explodiert diese und der Pollen verteilt sich effektiv auf dem Bestäuber. Andererseits wird auch die Bestäubung durch den Wind optimiert, da der Pollen aus der großen Höhe besser weggeweht wird. Die Rekordschleuder ist dabei schneller als das Zuschnappen einer Venus-Fliegenfalle oder der Sprung einer Zikade.
Joan Edwards (Williams-College, Williamstown) et al.: Nature, Bd. 435, S. 164
ddp/wissenschaft.de – Cornelia Dick-Pfaff





















