Mütter unter Druck
Stillkampagnen sorgen für Schuldgefühle bei nicht stillenden Frauen
Mütter empfinden oft Schuldgefühle und Depressionen, wenn sie ihr Kind nicht stillen. Die Gründe: Die gekaufte Anfangsmilch sei nicht so gesund und sie müssten sich häufig vor Bekannten rechtfertigen. Das haben britische Wissenschaftler beobachtet, als sie nicht stillende Mütter nach ihren Gründen und Erfahrungen fragten.
ANZEIGE
Die meisten Mütter erachten Stillen als die gesündeste Ernährung für ihren Sprössling. Dennoch werden drei Viertel der Kinder im sechsten Lebensmonat mit gekaufter Anfangsmilch versorgt, viele schon in ihren ersten Lebenswochen. Im Interview nannten die Mütter dafür unterschiedliche, meist praktische Argumente: Neben dem Säugling sei ein weiteres Kind zu versorgen, die beruflichen Anforderungen lassen Stillen nicht zu, der Vater solle in das Füttern der Kinder eingebunden werden, und das Stillen sei ein einziger Kampf.
Die Mütter bezahlen das Flaschenstillen mit einem schlechten Gewissen, fühlen sich als Versager und im schlimmsten Fall leiden sie an Depressionen, berichten die Sozialforscher. Beratungsstellen für Schwangere informierten nicht nur über gesundheitliche Fragen, sondern machten aus der Babymilch ein Ethos, das von Stillkampagnen nur bestärkt wird, erklären sie. Auch andere Mütter üben moralischen Druck aus, indem sie die Ernährung mit der Flasche bewusst oder unbewusst infrage stellen. Die Väter und andere Familienmitglieder verhielten sich am unkritischsten.
Studie von Ellie Lee und Frank Furedi (Universität von Kent, Canterbury)
ddp/wissenschaft.de – Mareile Müller-Merbach

















