Eine Wissenschaft für sich: Didgeridoo-Physik
Die Spieler müssen die Position ihrer Stimmbänder verändern, um die optimale Resonanz in der Mundhöhle zu erzeugen
Geübte Didgeridoo-Spieler bringen ihre Stimmbänder unbewusst in die Position wie beim Aussprechen eines Vokals und erzeugen dadurch Resonanz in der Mundhöhle. Das haben Physiker bei Messungen an Spielern des australischen Instruments beobachtet, das aus einem dünnen ausgehöhlten Baumstamm besteht. Die Forscher brachten dabei ein kleines Rohr und ein Mikrophon im Mund eines Didgeridoo-Spielers an und konnten so gleichzeitig den Klang charakterisieren und die Druckverhältnisse beim Spielen messen.
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Das Geheimnis des Didgeridoo-Spiels liegt in dem Teil des Kehlkopfes, der die Stimmbänder
enthält, der so genannten Stimmritze. Die Stimmritze darf nur minimal geöffnet sein, dann erzeugt der Spieler bei bestimmten Frequenzen starke Resonanzen in der Mundhöhle. Die Stimmbänder verhalten sich dann wie beim Aussprechen eines Vokals. Bleibt der Vokaltrakt dagegen offen wie beim normalen Atmen, nehmen die Lungen einen Großteil des Klangs auf.
Um die Besonderheiten des Klangs aufzuzeichnen, installierten die Physiker hinter den Lippen eines Spielers ein Röhrchen und ein Sondenmikrophon. So bestimmten sie gleichzeitig den Klang des Didgeridoos und den akustischen Widerstand im Vokaltrakt des Spielers. Der Hauptunterschied zwischen erfahrenen Didgeridoo-Spielern und Anfängern ist die erlernte, aber unbewusste Fähigkeit, die Stimmritze teilweise zu schließen, folgern die Forscher aus ihren Ergebnissen. Derartige Messungen waren für das Didgeridoo bisher schwer zu realisieren, unter anderem weil die Lautstärke in der Mundhöhle bis zu 100 Dezibel erreichen kann. Ähnliches wurde aber bereits bei Blechbläsern gefunden.
Das Didgeridoo ist ein traditionelles australisches Lippenblasinstrument, das 1 bis 2,5 Meter lang ist. Ursprünglich fertigten es die Aborigines aus einem kleinen Baumstamm, dessen Inneres von Termiten zerfressen war. Dem Didgeridoo lässt sich zwar nur ein Ton entlocken, dieser aber in spektakulärer Klangvariation je nach Zungenposition und Geometrie des Mundes.
Alex Tarnopolsky (Universität von New South Wales, Sydney) et al.: Nature", Bd. 436, S. 39
ddp/wissenschaft.de – Mareile Müller-Merbach

















