Zweigleisigkeit ist Kopfsache
Neue Studie: Bisexuelle Männer reagieren körperlich nicht auf beide Geschlechter
Bisexualität ist bei Männern eher eine geistige geprägte als eine körperlich-sexuelle Neigung. Das schließen kanadische Forscher aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie bei insgesamt 100 Freiwilligen die körperliche Reaktion auf sexuelle Reize mit der subjektiv empfundenen Erregung verglichen. Männer, die sich selbst als bisexuell bezeichneten, reagierten dabei körperlich entweder auf männliche oder auf weibliche Reize, jedoch nie auf beide. Im Gegensatz dazu entsprach die von den Männern subjektiv empfundene Erregung genau dem erwarteten Muster, berichten die Psychologen.
ANZEIGE
Auch wenn bisexuelles Verhalten relativ weit verbreitet ist, ist unter Wissenschaftlern die Existenz einer echten bisexuellen Neigung, bei der ein Mensch von männlichen Sexualreizen genauso erregt wird wie von weiblichen, umstritten. So waren sowohl Sigmund Freud als auch der Sexualforscher Alfred Kinsey der Ansicht, dass im Grunde jeder Mensch bisexuell ist. Neuere Studien werfen dagegen Zweifel an der Existenz einer solchen Neigung auf. Eine der Thesen: Viele der angeblich bisexuellen Männer seien eigentlich homosexuell, fühlten sich jedoch aufgrund des gesellschaftlichen Drucks dazu verpflichtet, auch Frauen sexuell attraktiv zu finden. Nach einer anderen Theorie ist die selbst empfundene Bisexualität lediglich ein Stadium bei der Suche nach der eigentlichen sexuellen Neigung, sei sie nun homo- oder heterosexuell.
Für die neue Studie zeigten die Forscher um Gerulf Rieger 30 heterosexuellen, 33 bisexuellen und 38 homosexuellen Männern Videos, in denen entweder zwei Frauen oder zwei Männer beim Sex zu sehen waren. Die Probanden sollten angeben, wie stark sie sich durch die Darstellungen erregt fühlten, während die Forscher gleichzeitig mithilfe einer Messmanschette um den Penis die körperliche Erregung bestimmten. Das Ergebnis: Obwohl sich alle bisexuellen Männer von beiden Reizen erregt fühlten, reagierten sie körperlich nur auf einen der beiden. Bei den meisten war das die männliche Darstellung, einige reagierten jedoch auch auf die weibliche.
Im Gegensatz zu den anderen Probanden, bei denen die körperliche Reaktion gut mit der subjektiv empfundenen Erregung übereinstimmte, gab es bei den bisexuellen Männern deutliche Diskrepanzen, schreiben die Forscher. Ihrer Ansicht nach basiert daher die gefühlte Bisexualität auf einer Überinterpretation der sexuellen Attraktivität eines Geschlechts und nicht auf einer tatsächlichen sexuellen Neigung. In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, ob sich dieser Unterschied in der Gehirnaktivität bisexueller Männer widerspiegelt.
Gerulf Rieger et al. (Northwestern University, Toronto): Psychological Science, August-Ausgabe
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















