Bittersüße Botschaften
Für "bitter" und "süß" sind gleichen Geschmackszellen, aber unterschiedliche Signalstoffe verantwortlich
Süßer und bitterer Geschmack wird mit den gleichen Zellen auf den Geschmacksknospen der Zunge wahrgenommen. Nur die Signale, die die Zellen an das Gehirn weitergeben, unterscheiden sich, haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt. Ein Botenstoff ist dabei für Süßes zuständig, ein anderer für bitteren Geschmack.
ANZEIGE
Die Forscher entdeckten in den Zellen der Geschmacksknospen den chemischen Botenstoff Neuropeptid Y (NPY). Zuvor hatten sie in den gleichen Zellen den Stoff Cholecystokinin (CCK) gefunden, dem sie eine Rolle als Geschmacksbote zusprachen. Tatsächlich wirken NPY und CCK an derselben Stelle, nur senden sie gegensätzliche Signale los, je nachdem welcher Geschmacksstoff gerade wahrgenommen wird. CCK gibt das Signal "bitter" ans Gehirn weiter und NPY die Botschaft "süß", erklären die Wissenschaftler.
Geschmacksknospen bestehen aus 50 bis 100 Zellen. Nervenfasern verbinden jede Geschmacksknospe mit dem Gehirn, aber nur wenige der Zellen berühren die Nervenfasern. Die Zellen müssen also auch auf irgendeine andere Weise ein Signal zu den Nervenfasern schicken können. Die Aufgabe übernehmen die beiden Botenstoffe, die an der Faser einen elektrischen Impuls auslösen. So melden die Nervenzellen dem Gehirn entweder Süßes oder Bitterstoffe auf der Zunge.
In ihren Experimenten isolierten die Forscher einzelne Zellen aus den Geschmacksknospen von Ratten. An die Zellen schlossen sie in einer Petrischale kleine Elektroden an und erfassten so die elektrische Aktivität der Zellen. Nun verabreichten sie den Zellen den Botenstoff NPY und verglichen die Reaktion der Zelle mit der, die sie früher für CCK beobachtet hatten. NPY ließ die Zelle komplett andere Signale aussenden als CCK, zeigte die Auswertung.
Die Erkenntnisse eröffnen ein neues Verständnis über die Geschmacksunterscheidung im Gehirn. Die Geschmäcke sauer und salzig sind mit den beiden untersuchten nicht zu vergleichen. Sie funktionieren in komplett anderer Art und Weise.
Fang-li Zhao (Staatsuniversität von Ohio, Columbus, USA) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1073/pnas.0501988102
ddp/wissenschaft.de – Mareile Müller-Merbach

















