Warum Birma seine Elefanten verliert
Holzfäller fangen wilde Dickhäuter ein und lassen sie in den Camps schwere Lasten transportieren
Den Wäldern in Südostasien kommen immer mehr ihrer wilden Elefanten abhanden – ohne dass sie von Wilderern getötet werden oder einer Krankheit zum Opfer fallen. Umweltschützer sind nun der Ursache des rätselhaften Verschwindens der Großtiere auf die Spur gekommen: Die Dickhäuter werden von Holzfällern entführt und in den Camps als Transporthelfer eingesetzt.
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Vor etwa zehn Jahren streiften noch schätzungsweise 10.000 wilde Elefanten in den Wäldern Myanmars, dem früheren Birma, umher. Als Umweltschützer jedoch vor kurzem eine neue Schätzung der Elefantenpopulation vornehmen wollten, erlebten sie eine unangenehme Überraschung: Sie fanden nur so wenige Dungspuren der Tiere, dass eine Hochrechnung auf die Gesamtanzahl nicht möglich war.
Offenbar waren die Dickhäuter regelrecht gekidnappt und in die Herden der Arbeitselefanten in den Holzfällercamps integriert worden, zeigten Nachforschungen der Naturschützer. Dieses Vorgehen hat in Myanmar eine lange Tradition: Schon als während des Zweiten Weltkriegs ein großer Teil der ungefähr 10.000 Arbeitselefanten getötet wurde, füllten die Holzfäller ihre Herden mit wilden Tieren wieder auf. Obwohl diese Praxis 1995 zum Schutz der wildlebenden Elefanten verboten wurde, scheint sie auch weiterhin gang und gäbe zu sein, berichtet Peter Leimgruber vom Smithsonian Nationalzoo in Washington, einer der beteiligten Naturschützer.
Da Nachwuchs die Produktivität der Arbeitselefanten einschränken würde, halten die Holzfäller die Tiere davon ab, sich zu paaren. Die Folge: Um die Größe der Herden konstant zu halten, müssen immer mehr wilde Tiere eingefangen werden. Paradoxerweise könnte es jedoch gerade ihr Nutzen als Arbeitstier sein, der die Behörden davon überzeugt, dass die Elefanten geschützt werden müssen, kommentiert Leimgruber. Da die Tiere außerdem relativ wenig Schmutz produzieren, sei es sehr viel umweltschonender, das Holz mithilfe von Elefanten zu transportieren als mit großen Maschinen.
Nature, Online-Dienst
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















