Was E-Mails mit Vorurteilen zu tun haben
Elektronische Kommunikation erschwert die persönliche Beurteilung des Gesprächspartners
E-Mails tragen nicht zum Abbau von Vorurteilen über andere bei, sondern können diese sogar noch fördern. Ein persönliches Gespräch am Telefon hilft dagegen eher, einen bereits vorhandenen Eindruck zu korrigieren. Das schließen amerikanische Forscher aus einer Studie mit 60 Studenten.
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Für ihre Untersuchung bildeten die Psychologen aus ihren insgesamt 60 Probanden Zweierpaare. Jeder der beiden Partner erhielt einen erfundenen Lebenslauf und ein falsches Foto des anderen. Die Angaben des Lebenslaufs stellten das unbekannte Gegenüber als mehr oder weniger intelligent dar, das Foto zeigte eine gut gekleidete oder eine eher ungepflegte Person. Anschließend stellten die Teilnehmer ihrem Interviewpartner entweder per E-Mail oder per Telefon sechs Fragen, so zum Beispiel: "Wenn du die Möglichkeit hättest, einen lebenden oder toten US-Präsidenten zu treffen, wen würdest du wählen?".
Wenn die Probanden ihr Gegenüber per Telefon befragt hatten, beurteilten sie die Intelligenz des anderen ähnlich – egal, ob der Lebenslauf ihn als intelligent oder weniger intelligent dargestellt hatte. Hatten sie die Antworten dagegen per E-Mail erhalten, hielten die Teilnehmer an ihrem ersten Eindruck fest. So glaubten sie beispielsweise weiterhin, ihr Interviewpartner sei wenig intelligent, wenn der erfundene Lebenslauf dies angedeutet hatte. Und das, obwohl die Antworten in beiden Medien genau den gleichen Wortlaut hatten: Die Forscher hatten die telefonischen Antworten einfach wörtlich übernommen und so an die Teilnehmer geschickt, die ihre Fragen per e-Mail gestellt hatten.
"Die E-Mail ist ein gutes Medium, um sachliche Inhalte mitzuteilen", sagt Nicholas Epley, einer der beiden Autoren der Studie. "Aber es ist schlecht geeignet, Feinheiten zu übermitteln." Dies könne daran liegen, dass eine E-Mail keine nichtsprachlichen Informationen übermitteln könne, zum Beispiel den Klang der Stimme. Andere Forscher beurteilen die Ergebnisse jedoch kritischer. Im wahren Leben könnten sich Menschen ganz anders verhalten, meint etwa Sara Kiesler, Psychologin an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA). Denn normalerweise hätten sie keine biographischen Informationen über einen Fremden, wenn sie ihm zum ersten Mal eine Mail schicken würden.
Science, Online-Dienst
Originalarbeit der Forscher: Nicholas Epley (Harvard-Universität, Boston) und Justin Kruger (Universität von Illinois, Champaign): Journal of Experimental Social Psychology, Bd. 41, S. 414
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

















