Schuss im Kornfeld
Rekord: Getreidepilz schleudert seine Sporen mit 130 Kilometern pro Stunde in die Luft
Ein unscheinbarer Getreidepilz schießt effektiver als ein Gewehr oder eine Kanone: Mit fast 130 Kilometern pro Stunde schießt der Kornschädling Gibberella zeae seine Sporen in die Umgebung. Die Sporen werden dabei mit dem 870.000fachen der Erdbeschleunigung auf Geschwindigkeit gebracht.
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Um die Schussweite der Pilzart zu messen und die abgeschossene Sporenmenge zu berechnen, brachten die Forscher Getreidepilz in ein Glasgefäß und ließen ihn auf eine herausnehmbare Glasplatte schießen. Aus ihren Messungen konnten die Wissenschaftler die Abschussgeschwindigkeit und die Beschleunigung der Sporen berechnen. Gibberella zeae übertrifft mit seiner Schusskraft selbst den bisherigen Rekordhalter, seinen Verwandten Fungus Pilobolus, um das Hundertfache.
Bei der winzigen Größe der Sporen spiele der Luftwiderstand eine enorme Rolle, erklärt Steven Vogel, Biologe an der Duke-Universität in Durham (USA) und Co-Autor der Studie. Um diesen zu überwinden und die Sporen in der Umgebung zu verstreuen, müsse die hohe Beschleunigung aufgewendet werden. Das Ergebnis ist jedoch eher bescheiden: Der Schuss aus der Pilzpistole befördert die Sporen lediglich fünf Millimeter weit.
Warum also betreibt der Pilz einen solchen Aufwand, nur um seine Sporen ein winziges Stück von sich weg zu schleudern? Steven Vogel hat auch dafür eine Erklärung: Dort, wo der Pilz wächst, gebe es keine Luftbewegungen, erklärt der Biologe. Das eigentliche Ziel sei daher, die Sporen in Luftströmungen einzuschleusen, die sie dann weiter in der Umgebung verteilen könnten.
Steven Vogel (Duke Universität):
Fungal Genetics and Biology (Band 42 (6), S. 528)
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

















