Der Kompass im Huhn
Trotz der Domestizierung orientieren sich auch Hühner am Magnetfeld der Erde
Auch Hühner orientieren sich anhand einer Art magnetischen Kompasses. Ein Team australischer und deutscher Neurobiologen konnte zum ersten Mal Küken so trainieren, dass sie auf verschiedene, von außen einwirkende Magnetfelder reagierten. Als Belohnung nutzten die Wissenschaftler beim Training einen Gegenstand, auf den die Hühner zuvor geprägt worden waren. Der Anreiz hatte damit sozialen Charakter, betonen die Wissenschaftler.
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Viele Vogelarten, darunter vor allem Zugvögel, orientieren sich auf ihren langen Flügen am Magnetfeld der Erde. Doch bislang war es nicht möglich, diesen Vorgang im Labor experimentell nachzuahmen – nicht einmal, wenn die Tiere als Belohnung etwas zu fressen bekamen.
Rafael Freire und sein Team nutzten nun statt Futter einen roten Tischtennisball, auf den sie insgesamt acht Hühnerküken sozial prägten. Anschließend wurde jeweils ein Küken in eine viereckige Versuchsarena gesetzt, in der sich in jeder Ecke eine Abschirmung befand. Nur hinter einem Schirm lag jedoch der Tennisball. Jedes Huhn wurde auf eine bestimmte Himmelsrichtung trainiert und durfte bei richtiger Wahl zur Belohnung eine Minute bei dem Ball verweilen.
Die Versuche selbst wurden von den Forschern unter verschiedenen magnetischen Bedingungen durchgeführt: Wirkte nur das normale lokale Erdmagnetfeld, wählte etwa ein auf Norden trainiertes Huhn in 80 Prozent der Fälle den richtigen Schirm im Norden oder den jeweils gegenüberliegenden Schirm im Süden. Wurde das Magnetfeld jedoch um 90 Grad im Uhrzeigersinn verdreht, bevorzugte dieses Küken die Abschirmungen, die sich jeweils am Ende der neuen künstlichen Nord-Süd-Achse befanden, also eigentlich im Osten und Westen.
Dass die Vögel zwischen korrekter und entgegengesetzter Richtung nicht differenzieren, könne am völligen Fehlen landschaftlicher Merkmale in der künstlichen Umgebung liegen, erklären die Forscher. Möglicherweise brauchen die Vögel aber auch eine längere Zeit, die zwei Pole eines Magnetfeldes unterscheiden zu lernen. Interessant sei jedoch, dass der magnetische Kompass auch noch nach jahrtausendlanger Domestizierung vorhanden ist.
Rafael Freire (University of New England, Armidale, Australien) et al.: Current Biology (Vol. 15, S. R620)
ddp/wissenschaft.de – Stefanie Offermann

















