Hormone für den Sieger
Für Mosambik-Maulbrüter lohnt sich die Botenstoffproduktion nur, wenn sie sicher mit einem Sieg im Kampf rechnen können
Die Männchen einer afrikanischen Fischart schätzen vor einem Kampf ab, ob sie diesen gewinnen können und schütten nur bei guten Siegchancen mehr Sexualhormone aus. Das haben portugiesische Wissenschaftler bei der Untersuchung des Mosambik-Maulbrüters (Oreochromis mossambicus) herausgefunden. Beim Kampf gegen ihr Spiegelbild konnten die Fische keine Entscheidung über den Ausgang treffen und produzierten daher nur wenige Botenstoffe.
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Androgene, die männlichen Sexualhormone, werden ausgeschüttet, wenn Fische beispielsweise ihr Revier gegen einen Nebenbuhler verteidigen müssen. Die Forscher um Rui Oliveira beobachteten diesen Mechanismus, indem sie die Maulbrüter in zwei Gruppen teilten: Den einen wurde ein Spiegel ins Becken gesetzt, den anderen eine nicht reflektierende Glasplatte. Die Fische der ersten Gruppe versuchten sofort, den vermeintlichen Gegner, ihr Spiegelbild, zu vertreiben und wurden mit der Zeit immer aggressiver. Die Wissenschaftler bestimmten nach dem Ende des Tests den Androgenspiegel im Urin der Maulbrüter.
Das Ergebnis: Die kämpfenden Fische hatten den gleichen niedrigen Hormonspiegel wie die nicht kämpfende Kontrollgruppe. Frühere Untersuchungen hatten einen Anstieg der Androgene bei Fischen ergeben, die einen Eindringling aus ihrem Revier vertrieben. Der Verlierer hatte dabei eine sehr niedrige Hormonkonzentration im Urin. Die Forscher schlossen nun daraus, dass die Maulbrüter vor einem Kampf abschätzen, welche Chancen sie für einen Sieg haben. Da die Tiere bei ihrem Spiegelbild keine Unterschiede in Rang, Stärke oder Verletzungen feststellen, können sie den möglichen Ausgang des Kampfes nicht vorhersagen und schütten daher nicht mehr Androgene aus. Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen auch, dass ein Kampf unabhängig von der Androgenkonzentration der Kontrahenten eskalieren kann.
Rui Oliveira (Institut für angewandte Psychologie, Lissabon) et al.: Nature, Bd. 437, S. 207
ddp/wissenschaft.de – Eva Maria Marquart

















