Raumgefühl im Ohr
Das Innenohr unterstützt die Augen bei der dreidimensionalen Wahrnehmung
Das Innenohr hilft nicht nur beim aufrechten Gang, sondern auch bei der räumlichen Wahrnehmung. Das haben amerikanische Wissenschaftler bei einer Studie an Rhesusaffen festgestellt. Die Tiere waren nur mit funktionierendem Innenohr in der Lage, den eigenen Abstand von einer Lichtquelle richtig einzuschätzen.
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Die Forscher trainierten drei Rhesusaffen darauf, die Augen auf eine Lichtquelle zu richten, die einmal in einer festgelegten Entfernung aufblitzt. Allerdings mussten die Affen zunächst ein anderes Licht fixieren und durften die Augen erst bewegen, nachdem dieses Licht ausgegangen war. Sie mussten sich also in völliger Dunkelheit an die Position des Blitzlichts erinnern und ihre Augen entsprechend ausrichten. Zusätzlich wurde diese Aufgabe noch erschwert, indem die Affen in einigen Versuchen während der Dunkelphase samt ihrem Sitz im Raum verschoben wurden.
Die Forscher stellten fest, dass die Affen auch nach dem Verschieben noch in der Lage waren, die Quelle des Blitzlichts richtig im Raum zu fixieren. Sie mussten also das Verschieben ihres Sitzes berücksichtigt haben. Da die Affen weder visuelle noch motorische Anhaltspunkte für ihre eigene Position im Raum relativ zur Lichtquelle hatten, muss ihnen das so genannte Vestibularorgan im Innenohr bei der Ortsbestimmung der Lichtquelle zu Hilfe gekommen sein, vermuten die Wissenschaftler. Dieses Gleichgewichtsorgan registriert Beschleunigung und Bewegungen des Kopfes und hilft bei der Balance und Orientierung. Um ihre These zu testen, setzten die Forscher bei zwei Affen das Vestibularorgan außer Gefecht und ließen sie dieselben Aufgaben ausführen wie zuvor. Das Ergebnis: Die Affen waren nicht mehr in der Lage, das Blitzlicht nach dem Verschieben ihres Sitzes richtig im Raum zu fixieren.
Im täglichen Leben muss sich der Mensch ständig neu orientieren und die Karte in seinem Kopf aktualisieren. Zum Beispiel im Straßenverkehr muss er nicht nur die Übersicht über sein eigenes Vorankommen behalten, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer und deren jeweilige Geschwindigkeiten berücksichtigen. Diese anspruchsvolle Aufgabe der Tiefenwahrnehmung liegt offenbar nicht allein bei der visuellen Wahrnehmung, sondern wird vom Vestibularorgan im Innenohr unterstützt.
Nuoi Li und Dora Angelaki (Washington Universität in St. Louis): Neuron (Bd. 48, S.149)
ddp/wissenschaft.de – Christina Schallenberg

















