Das Wandern ist des Haies Lust
Weißer Hai "Nicole" durchquerte zweimal den Indischen Ozean
Ein weiblicher weißer Hai hat innerhalb von 9 Monaten zweimal den Indischen Ozean durchquert. Das Weibchen bewältigte auf seinem Weg von Südafrika nach Australien und zurück eine Strecke von 20.000 Kilometern, berichtet ein Forscherteam aus Südafrika und den USA. Dies ist die schnellste Rundwanderung eines Meerestieres, von der Forscher je berichtet haben: Der weiße Hai legte im Schnitt mindestens 4,7 Kilometer pro Stunde zurück. Die Wissenschaftler tauften das weiße Weibchen "Nicole" – zu Ehren der Hai-Liebhaberin Nicole Kidman.
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Im November 2003 fingen die Forscher Nicole vor der südafrikanischen Küste ein und befestigten an ihrer Flosse ein Instrument, das ihre Position an einen Satelliten übermittelte. Anhand dieses Geräts konnten die Forscher die 99-tägige Reise des Hais von Südafrika nach Australien verfolgen. Abgesehen von einem leichten Bogen zu Beginn der Wanderung legte Nicole die Strecke auf fast direktem Weg zurück. Das Weibchen verbrachte dabei 61 Prozent der Zeit nahe der Wasseroberfläche, legte jedoch zwischendurch Tauchgänge von bis zu 980 Metern Tiefe ein und ertrug dabei auch niedrige Temperaturen von bis zu 3,4 Grad Celsius. Die Wissenschaftler spekulieren, dass Nicole sich bei der Navigation nicht nur am Erdmagnetfeld, sondern auch an Himmelskörpern orientierte, und deshalb die meiste Zeit nahe der Wasseroberfläche schwamm.
Über den Rückweg des Hais haben die Forscher keine Informationen, doch sie sichteten das Tier 9 Monate nach Antritt seiner Reise erneut in südafrikanischen Gewässern. Sie vermuten, dass das Weibchen möglicherweise für die Geburt von Jungen in seine südafrikanischen Heimatgewässer zurückkehrte. Außerdem weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass es genau zur Paarungszeit nach Australien schwamm. Dies ist das erste Mal, dass Wissenschaftler eine direkte Verbindung zwischen den bedeutenden Haipopulationen von Südafrika und Australien nachweisen konnten. Ob Nicole sich jedoch tatsächlich in Australien paarte und die Rückkehr nach Afrika dem Gebären von Jungen diente, können sie nicht sicher sagen. Auch wissen sie nicht, wie oft und regelmäßig Haie auf Wanderschaft gehen.
Um den weißen Hai effektiv zu schützen, müssen die Wissenschaftler noch viele offene Fragen beantworten. Beim Durchschwimmen ganzer Ozeanbecken setzen sich die weißen Riesen erhöhten Gefahren aus, vor allem durch Fischerei. Neue Einblicke in das Wanderverhalten der Haie sind deshalb für Forscher und Tierschützer gleichermaßen wichtig.
Ramón Bonfil (Wildlife Conservation Society, New York) et al.: Science, Bd. 310, S.100
ddp/wissenschaft.de – Christina Schallenberg




















