Forscher vermuten: Prionen auch in der Milch
Euterentzündung erleichtert das Eindringen von fehlgefalteten Eiweiße in die Milchdrüsen von Schafen
Prionen können möglicherweise doch über die Milch übertragen werden. Schweizer Wissenschaftler um Adriano Aguzzi hatten die fehlgefalteten Eiweiße in den Milchdrüsen von Schafen gefunden, die an der Prionenkrankheit Scrapie und zusätzlich an einer Infektion des Euters litten. Aguzzi und seine Kollegen gehen nun davon aus, dass Prionen über die infizierten Milchdrüsen auch in die Milch gelangen könnten. Ob deren Konzentration allerdings für Übertragung der Prionenkrankheit ausreicht, wissen die Forscher noch nicht.
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Prionen sind fehlgefaltete Eiweiße, die sich im Körper vermehren können und bei Rindern die Krankheit BSE auslösen können. Auch werden Prionen für die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) verantwortlich gemacht, die nach dem heutigen Stand der Forschung durch den Verzehr von infiziertem Rindfleisch übertragen wird. Bislang gab es allerdings keine Hinweise darauf, dass Prionen auch durch die Milch infizierter Tiere weitergegeben werden können. Bislang fanden Forscher in Milch keine Prionen.
Aguzzi und seine Kollegen untersuchten nun auf Sardinien sieben Schafe mit der Prionenkrankheit Scrapie. Vier von ihnen litten gleichzeitig an einer Infektion mit dem bei Schafen weit verbreiteten Maedi-Visna-Virus, zu deren häufigen Symptomen eine Entzündung des Euters gehört. Bei allen vier infizierten Tieren entdeckten die Forscher Prionen in den Milchdrüsen, bei den anderen hingegen nicht. In der Milch konnten die Wissenschaftler zwar keine dieser Eiweiße finden, doch es sei sehr schwierig, diese zu identifizieren.
"Es ist unwahrscheinlich, dass sich in der Milch keine Prionen befinden", erklärt Aguzzi. Milch sei nun vielleicht doch ein möglicher Übertragungsweg bei Tieren, wenn diese gleichzeitig an einer Virusinfektion leiden, vermuten die Wissenschaftler deshalb. Die Virusinfektion erleichtere dabei den Übergang der Prionen in die Euterzellen. Das könnte auch die Übertragung von Prionenerkrankungen unter Rentieren oder Elchen erklären, die Vegetarier sind und die Eiweißverbindungen daher eigentlich gar nicht weitergeben können.
Ob sich aus diesem Übertragungsweg auch eine Gefährdung für den Menschen ergibt, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Anlass zur Hoffnung gebe zumindest die Tatsache, dass die Prionenkonzentration in den Milchdrüsen tausendmal geringer ist als im Gehirn der Tiere. Das gängige Pasteurisieren der Milch dürfte jedoch keinen Effekt haben, da bei diesen Temperaturen die Prionen nicht zerstört werden.
Adriano Aguzzi (Universität Zürich) et al.: Online-Dienst des Fachmagazins Nature (doi 10.1038/news051031-7)
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

















