Warum Haferschleim so einen schlechten Ruf hat
Die Beschaffenheit von Nahrungsmitteln entscheidet über Ekelgefühle
Haferschleim und Schnecken verdanken es ihrer schleimigen Konsistenz, dass viele Menschen sie als eklig empfinden. "Schleimig", "klebrig" oder "breiig" sind nämlich die Eigenschaften beim Essen, die Menschen am ehesten den Appetit verderben, haben zwei Wissenschaftlerinnen entdeckt. Bisher glaubten die meisten Forscher, fremde Nahrungsmittel gelten dann am ekligsten, wenn sie von Tieren abstammen. Viel wichtiger als die Herkunft von Speisen ist aber ihre Beschaffenheit, wie die neue Studie nun zeigt. Von ihr hängt es ab, ob jemand eine neue Speise ausprobiert oder nicht.
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Die "Igitt"-Reaktion beim Anblick oder beim Probieren von Nahrung hat einen wichtigen evolutionären Zweck, sagen die Forscherinnen. Sie sorgt dafür, dass giftige oder verdorbene Speisen ausgespuckt werden, bevor sie im Körper Schaden anrichten können. Diese Reaktion wird bei vielen Menschen ausgelöst, wenn sie unbekanntes Essen tierischer Herkunft vorgesetzt bekommen. Die Konsistenz solcher Speisen ist aber ein noch viel wichtigerer Ekelfaktor, fanden die Psychologinnen nun heraus.
Sie präsentierten einigen Freiwilligen eine Reihe unbekannter Nahrungsmittel, die mit Fantasienamen bezeichnet waren. Beispielsweise benannten die Forscherinnen weiche, asiatische Fleischbällchen als "Bresner" und weißliche, durchscheinenden Palmensamen als "Nokotop". Die Probanden sollten angeben, ob sie die verschiedenen Speisen essen würden und, falls nicht, warum. Das Ergebnis zeigte, dass schleimige, klebrige, breiige und gallertartige Nahrungsmittel am ekligsten für die Testpersonen waren – unabhängig davon, ob die Sachen tierischer oder pflanzlicher Herkunft waren. Das könnte erklären, warum viele Menschen Pilze, Tomaten oder Zwiebeln für widerlich halten: Sie hinterlassen häufig ein unangenehmes Gefühl im Mund, erklärt Martins. Es gäbe allerdings sowohl individuelle als auch kulturelle Unterschiede, wenn es darum geht, ob etwas als eklig empfunden wird oder nicht.
Nach Ansicht von Martins könnten die neuen Ergebnisse dabei helfen, wählerische Esser zu mehr Abenteuerlust zu verleiten. Nur wenige Menschen sind so genannte neophile Esser, die gezielt nach fremden Speisen suchen und gerne Neues ausprobieren. Stattdessen seien die meisten Menschen neophob, erklärt die Psychologin. Sie verwendeten nur wenige, aber ganz bestimmte Nahrungsmittel und hätten meist schlechte Ernährungsgewohnheiten. Von ihrer Abneigung gegen Neues könnten sie dank der neuen Erkenntnisse nun möglicherweise geheilt werden, glaubt Martins: Da der Ekel vor einer Speise entscheidend von deren Beschaffenheit abhängt, sollte der Betreffende diese Speise mehrmals vorgesetzt bekommen. Denn wählerische Esser bräuchten einfach länger, um sich an das fremde Gefühl im Mund zu gewöhnen, sagt die Forscherin.
Yolanda Martins (Universität in Adelaide) & Patricia Pliner (Universität in Toronto): Appetite, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1016/j.appet.2005.09.001
ddp/wissenschaft.de – Martina Feichter

















