Stammzellen für die Brust
Forscher entdecken unspezialisierte Vorläuferzellen für Brustgewebe
Ein australisch-kanadisches Forscherteam hat sozusagen die Mutter aller Brustzellen entdeckt: Bei Untersuchungen an Mäusen gelang es den Wissenschaftlern, die natürlichen Stammzellen zu identifizieren, aus denen sich alle anderen Zellarten der Brustdrüse entwickeln. Eine einzige dieser Zellen reicht dabei aus, um im Labor eine vollständige und funktionsfähige Milchdrüse zu züchten. Der Fund ist auch deswegen so bedeutsam, weil Bruststammzellen wahrscheinlich in vielen Fällen eine Schlüsselrolle beim Entstehen von Brustkrebs spielen.
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Schon seit langer Zeit glauben Wissenschaftler, dass es in der Brust unspezialisierte Stammzellen geben muss, die das Brustgewebe erneuern und ersetzen können. Darauf deutet unter anderem das starke Wachstum der Brust in der Pubertät und während einer Schwangerschaft hin, für das neue Brustzellen gebildet werden müssen.
Um diese vielseitigen Zellen zu identifizieren, analysierten Mark Shackleton vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research im australischen Victoria und seine Kollegen die Zellen einer Mausbrustdrüse. Sie sortierten die einzelnen Zellarten und verpflanzten von jeder Zellsorte einige Exemplare in das Brustgewebe einer Testmaus. Dabei stießen sie auf eine Gruppe von Zellen, die vielversprechende Stammzellkandidaten waren: Die meisten von ihnen entwickelten sich im Körper der Maus zu den verschiedenen Zelltypen einer Milchdrüse, während einige wenige unverändert blieben und sich vermehrten – zwei Eigenschaften, die als charakteristisch für Stammzellen gelten.
Als nächstes wollen Shackleton und seine Kollegen prüfen, ob sie auch die menschlichen Stammzellen identifizieren können. Sie erhoffen sich davon jedoch nicht nur Erkenntnisse darüber, wie gesundes Brustgewebe entsteht, sondern auch einen tieferen Einblick in die Bildung von Brustkrebs. So sei es beispielsweise vorstellbar, dass die Stammzellen unter bestimmten Bedingungen zu wahren Tumorfabriken werden, kommentieren die Forscher: Wenn eine Stammzelle Fehler in ihrem Erbgut ansammelt, kann sie entarten und zu einer so genannten Krebsstammzelle werden. Diese Zellen werden jedoch von den meisten Chemotherapien nicht erfasst und liefern daher immer wieder bösartige Zellen nach.
Mark Shackleton (Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research, Victoria, Australia) et al.: Nature, Bd. 439, S. 84
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















