Vitamin als letztes Mittel
Studie mit Mäusen: Nicotinamid beugt Schäden des Nachwuchses durch Alkohol in der Schwangerschaft vor
Eine besondere Form des Vitamins B3 könnte einmal bei Ungeborenen Schäden vorbeugen, die durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft entstehen. Das sagen amerikanische Mediziner, die neugeborenen Mäusen Alkohol verabreichten und wenig später den Stoff namens Nicotinamid injizierten. Die Wissenschaftler beobachteten dabei, dass sich das Gehirn des Mäusenachwuchses sich trotz des Alkohols normal entwickeln konnte. Auch im Erwachsenenalter zeigten die so behandelten Nager im Gegensatz zu alkoholgeschädigten Artgenossen keine Verhaltensauffälligkeiten.
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Trinkt eine werdende Mutter während der Schwangerschaft Alkohol, so leidet ihr Kind häufig unter Wachstumsstörungen und ist oft schwer in der geistigen Entwicklung eingeschränkt. Die einzige Möglichkeit der Vorbeugung ist der Verzicht auf Alkohol – eine Forderung, der jedoch viele Frauen nicht nachkommen. So ist das so genannte fötale Alkoholsyndrom (FAS) in den westlichen Ländern die Hauptursache für nicht genetisch bedingte geistige Beeinträchtigungen bei Neugeborenen.
Nun haben Alessandro Ieraci und Daniel Herrera vom Medical College der Cornell-Universität in New York einen Weg gefunden, Mäuse mit FAS wirksam zu therapieren. Für ihre Studie spritzten sie Mäusebabys kurz nach der Geburt eine Dosis Ethanol unter die Haut. Da die Bildung des Gehirns bei Nagern später stattfindet als beim Menschen, waren die Entwicklungsstadien der Mäuse mit denen eines menschlichen Fötus im letzten Drittel der Schwangerschaft vergleichbar. Die Wissenschaftler dosierten die Alkoholspritze so, dass sie auf die Nager ähnlich dramatisch wirkte wie ein Vollrausch einer schwangeren Frau auf ihr Ungeborenes.
Nach zwei Stunden bekamen einige der Tiere eine weitere Injektion mit dem Wirkstoff Nicotinamid, einer besonderen Form des Vitamins B3. Diese Substanz ist nicht nur als Nahrungsbestandteil bekannt, sondern wird beispielsweise auch in klinischen Tests als Medikament gegen Diabetes eingesetzt. Auch kann es Nervenzellen vor Schäden schützen.
Diese Wirkung zeigte sich auch bei den alkoholisierten Mäusen: In ihren Gehirnen starben deutlich weniger Neuronen als bei ihren unbehandelten, ethanolgeschädigten Artgenossen. Als die Mäuse ausgewachsen waren, testeten Ieraci und Herrera ihr Verhalten in einem Labyrinth und ihre Lernfähigkeit. Diejenigen mit alkoholgeschädigten Gehirnen waren hyperaktiv und lernten nur schlecht. Nager, die als Babys Nicotinamid erhalten hatten, benahmen sich dagegen normal.
Nicotinamid könnte auch beim Menschen helfen, ein ungeborenes Kind vor den Folgen mütterlichen Alkoholkonsums zu schützen, vermuten die Wissenschaftler. Jedoch seien weitere Studien hierzu notwendig.
Alessandro Ieraci und Daniel Herrera (Medical College der Cornell-Universität, New York): PLoS Medicine, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1371/journal.omed.0030101
ddp/wissenschaft.de – Anna-Lena Gehrmann

















