Neues haftet besser
Studie: Unbekanntes verstärkt die Lernfähigkeit des Gehirns
Der Reiz von neuen Informationen kann im Gehirn Lernprozesse verstärken. Die Nervenzellen schütten dabei in einer bestimmten Hirnregion Botenstoffe aus, die die Lernaktivität steigern. Das haben Hirnforscher aus Deutschland und den USA bei Hirnscans von Freiwilligen gezeigt. Diese Ergebnisse bestätigten sich auch in praktischen Tests, bei denen eine Kombination von bekannten Inhalten mit neuen Informationen die Gedächtnisleistung stark erhöhte. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich bessere Lernstrategien und Methoden für die Behandlung von Gedächtnisstörungen entwickeln, sagen die Forscher.
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Neuigkeiten versetzen eine bestimmte Region im Mittelhirn in Erregung, die bei bereits bekannten Eindrücken inaktiv bleibt. Dieses Hirnareal bestimmt die Leistungsbereitschaft des Menschen und löst Befriedigungsgefühle aus. Dabei schütten Nervenzellen den Botenstoff Dopamin aus, der an Lernprozessen des Gehirns maßgeblich beteiligt ist.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Hirnaktivität von Versuchspersonen, die bekannte, emotionale und neuartige Bilder betrachteten. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) konnten die Forscher zeigen, dass das zuständige Hirnareal nur bei der Betrachtung von neuen Bildern Aktivität aufweist. Lediglich völlig neuartige Bilder riefen diese Reaktion hervor, denn die Forscher konnten keine Aktivitätsabstufung von wenig zu höherer Bekanntheit feststellen. In Gedächtnistests konnten die Wissenschaftler die Ergebnisse auch konkret untermauern. So steigerte sich die Gedächtnisleistung bei Testpersonen um bis zu 19 Prozent, wenn komplett neue Informationen unter bekannte Lerninhalte gemischt wurden.
Die Forscher erklären die verstärkte Aufmerksamkeit des Gehirns für Neuigkeiten mit der Vermutung des Menschen, hinter etwas Neuem könnte eine Chance oder Belohnung stecken. Diese Aussicht motiviert zur Erkundung von Neuartigem und erhöht die Aufmerksamkeit. Das Gehirn lernt allerdings schnell, dass mit einem bestimmten bekannten Reiz nichts Erstrebenswertes verbunden ist, und bleibt deshalb weitgehend passiv, wenn es auf Altbekanntes trifft.
Nico Bunzeck (University College, London) und Emra Düzel (Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg): Neuron, Bd. 51, S. 369
ddp/wissenschaft.de – Martin Vieweg

















