Auf der Suche nach Gott im Gehirn
Tests mit Nonnen belegen: Religiöse Erfahrungen aktivieren verschiedene Hirnbereiche
Nonnen denken bei religiösen Erfahrungen nicht nur mit einer für Gott reservierten Hirnregion: Ihr Gehirn ist in vielen Bereichen aktiv, die beispielsweise auch für Emotionen oder Körpergefühl wichtig sind. Das haben kanadische Forscher in einer Studie an 15 Nonnen herausgefunden. Während die Klosterfrauen eine Empfindung der Einheit mit Gott durchlebten, untersuchten die Wissenschaftler ihre Gehirnaktivität mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI), mit der die Aktivität einzelner Hirnregionen bildlich erfasst werden kann.
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Den Karmeliter-Nonnen war es nicht möglich, für die Versuche spontan nach ihrem Verständnis mit Gott in Verbindung zu treten, sagen die Wissenschaftler. Deshalb riefen sich die Nonnen ihre stärksten Gotteserfahrungen ins Gedächtnis und durchlebten diese Empfindungen neu. Dieser Zustand ist mit einer aktuellen mystischen Erfahrung vergleichbar, sagen die Forscher. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Schauspieler die gleichen Hirnareale aktivieren, wenn sie sich in Emotionen hineinversetzen, als wenn sie wirkliche Gefühle empfinden.
Einige Wissenschaftler hatten bisher vermutet, dass es eine spezielle Region im Gehirn geben könnte, die für religiöse Erfahrungen zuständig ist. Die Ergebnisse der
Untersuchungen mittels fMRI zeigen allerdings, dass über ein Dutzend Regionen im Gehirn der Nonnen aktiv waren, während sie eine Gotteserfahrung durchlebten. Diese Hirnbereiche sind an vielen Funktionen des täglichen Lebens beteiligt. Die Tatsache, dass Gott sich nicht einem speziellen Bereich des Gehirns zuordnen lässt, habe jedoch keinerlei religiöse Relevanz, betonen die Wissenschaftler.
Mario Beauregard und Vincent Paquette (Universität von Montreal): Neuroscience Letters, Bd. 405, S. 186
ddp/wissenschaft.de – Martin Vieweg

















