Familienbande in der Nase
Sonnenbarsche erkennen ihre Verwandten am Geruch
Junge Sonnenbarsche erschnüffeln ihre Geschwister und verbünden sich mit ihnen, da bei diesen Fischen nicht alle Tiere einer Brut zum selben Vater gehören. Zur Unterscheidung vergleichen die Jungfische dabei ihren eigenen Geruch mit dem der anderen. Dieses Verhalten haben kanadische Forscher am Blauen Sonnenbarsch beobachtet, der in den Seen Nordamerikas lebt. Die Ergebnisse werfen neues Licht auf das Sozialverhalten von Tieren mit häufigem Partnerwechsel, sagen die Wissenschaftler.
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Beim Blauen Sonnenbarsch gibt es kurioserweise zwei unterschiedliche Ausgaben von Männchen: Das normale Männchen, das größer und anders gefärbt ist als die Weibchen, und einen "Betrüger", der aussieht wie ein weiblicher Fisch. Als Weibchen getarnt schleicht er sich an den normalen Männchen vorbei, um ebenfalls Eier zu befruchten. Den Nestbau und die Brutpflege überlässt er dann dem betrogenen Männchen. Etwa zwanzig Prozent aller Fische sind Nachkommen eines solchen Betrügers.
Um nun zu untersuchen, ob sich die verwandten Tiere unabhängig vom gemeinsamen Elternhaus wiedererkennen können, pflanzten die Forscher weiblichen Fischen künstlich Eier ein, die von zwei unterschiedlichen Elternpaaren stammten. So entstanden aus der Brut zwei verschiedene Geschwistergruppen, wobei eine Gruppe immer von einem Betrüger-Männchen abstammte. Mit Verhaltensstudien und genetischen Analysen konnten die Forscher nun zeigen, dass die Nachkommen der Betrüger-Männchen ihre Geschwister erkennen konnten, obwohl sie diese nie zuvor gesehen hatten. Mit ihnen schlossen sie sich zusammen. Die Erkennung erfolgt über den Geruch, der durch das unterschiedliche Erbgut bestimmt wird, fanden die Forscher heraus.
Gegenseitige Unterstützung verwandter Tiere ist eine weit verbreitete Strategie, um das Überleben des eigenen Erbguts zu begünstigen. Bei vielen Tieren ist es leicht, die Verwandtschaft zu erkennen, denn die Individuen einer Brut haben dieselben Eltern. Bei Tieren, die häufig ihren Partner wechseln und deren Nachkommen daher von unterschiedlichen Vätern stammen, ist die Erkennung hingegen viel schwieriger.
Tim Hain und Bryan Neff (University of Western Ontario, London, Kanada): Current Biology, Bd. 16, S. 1807
ddp/wissenschaft.de – Martin Vieweg

















