Die Letzten werden die Ersten sein
Im Tierreich verbessert Geduld häufig die Chance auf eigenen Nachwuchs
Im Tierreich belebt Konkurrenz nicht nur das Geschäft, sondern ebnet manchmal auch den Weg zum eigenen Nachwuchs: Wer anderen Männchen bei der Paarung den Vortritt lässt, erhöht die eigene Chance, ein Weibchen zu befruchten – und zwar deswegen, weil die Spermienflüssigkeit des Vorgängers allen nachfolgenden Spermien das Vorankommen im Fortpflanzungstrakt erleichtert. Das schließt ein britisches Forscherduo aus einer Auswertung der Literatur zum Thema Fortpflanzung bei Tieren.
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Bei einer Reihe von promiskuitiv lebenden Tierarten hat der zweite oder bei mehr als zwei Partnern der letzte Geschlechtspartner eine höhere Chance, bei seiner Paarung Nachwuchs zu zeugen als der "Erstbesteiger". Dazu gehören viele Insektenarten, zum Beispiel Taufliegen, Wespen oder Schmetterlinge, aber auch Säugetiere wie bestimmte Erdhörnchenarten und Schimpansen. Wie dieser Vorteil zustande kommt, haben nun die britischen Evolutionsbiologen David Hosken und David Hodgson entdeckt.
Die Fortpflanzungsorgane des Weibchens seien eigentlich ein spermienfeindlicher Ort, erläutert Hosken. Von Millionen von Samenzellen würden daher nur wenige den langen Weg zum befruchtungsfähigen Ei schaffen. Allerdings besitzt die Samenflüssigkeit bestimmte Eigenschaften, die das chemische Milieu im Fortpflanzungstrakt verbessern. Der erste in der Reihe der Liebhaber ebnet mit seinem Sperma also praktisch den Weg für seine Nachfolger, stellten Hosken und Hodgson fest. Deren Spermien haben nun höhere Chancen, das Ei des Weibchens zu befruchten.
Neben diesem neu entdeckten Mechanismus gibt es noch eine Reihe anderer Gründe, warum geduldige Männchen erfolgreicher sind. So produziert das später kommende Männchen bei manchen Arten mehr Spermien, oder die nachfolgenden Spermien legen die Samen des Vorgängers lahm. Sogar fast hinterhältige Strategien gibt es: Manche Libellenarten besitzen einen Stachel auf ihrem Penis, mit dem sie die Spermien des Rivalen sozusagen aus dem Geschlechtstrakt ausgraben können.
In Zukunft wollen Hosken und Hodgson untersuchen, wie lange das zweite Männchen nach dem ersten kommen darf, um sich einen Paarungsvorteil zu sichern. Dazu eigneten sich Grillen ganz besonders, erklärt Hosken. Bei ihnen kleben die Männchen ihre Spermienpakete außen auf die Weibchen, so dass man ihre Einwirkzeit experimentell variieren kann.
David Hosken und David Hodgson (University of Exeter): Journal of Theoretical Biology, Bd. 243, S. 230
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

















