Viren im sibirischen Exil
Forscher finden eiskalten Umschlagplatz für Influenza-A-Erreger
Influenza-Viren können im Eis sibirischer Seen jahrzehntelang ausharren und von Zugvögeln wieder aufgenommen werden. Das hat ein internationales Forscherteam um Gang Zhang von der Universität in Bowling Green (USA) herausgefunden. Die Wissenschaftler fanden Erbgut von verschiedenen Influenza-A-Untergruppen in drei Seen im Nordosten Sibiriens, die auf einer Hauptroute des Vogelzugs liegen. Die Viren werden dort im Herbst deponiert. Wenn das Eis im Frühling schmilzt, werden sie wieder freigesetzt und können von den zurückkehrenden Vögeln aufgenommen werden. So ist es möglich, dass auch Untergruppen von Viren, die schon Pandemien ausgelöst haben, zurückkehren können.
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Die Route, auf der die Seen liegen, nutzen Vögel, die nach Afrika, Nordamerika und Europa fliegen. Die Vögel kommen im Frühling zurück und bringen neue Influenza-A-Untergruppen mit. Deren Erbgut kann sich mit dem Genmaterial der Viren vermischen, die dann wieder vom Eis entlassen werden, schreiben die Forscher.
Das biologische Reservoir der Influenza-A-Viren befindet sich in Wassergeflügel. Hier wurden bisher alle Unterstämme von Influenza A gefunden. Der Fund der Viren in Sibirien zeigt, dass auch das Eis ein bedeutendes Reservoir der Krankheitserreger ist, das zudem die Viren über Jahrzehnte konservieren kann. Zhang und seine Kollegen fanden in einem See, der unter den Vögeln besonders beliebt ist, ein Virus, das bereits von 1933 bis 1938 und in den 1960er Jahren zirkulierte.
Influenza-A-Viren bestehen lediglich aus einem Strang des Erbgutmoleküls RNA. Ihre Wirtszellen, deren Ausstattung sie für die eigene Vermehrung benötigen, finden sie im Menschen und anderen Säugetierarten sowie in Vögeln. Die Viren verändern sich sehr schnell. Neue Untergruppen werden nach den Eigenschaften zweier Proteine in ihrer Oberfläche benannt, so zum Beispiel H1N1. Bisher gibt es 16 H- und 9 N-Untergruppen. Die Weltgesundheitsorganisation versucht jedes Jahr, vorherzusagen, welche Untergruppe des Influenza-A-Virus grassieren wird, um früh genug Impfstoffe herstellen zu können. Allerdings sind die Vorhersagen nicht immer richtig. Die Forscher hoffen, dass Beobachtungen, wo das Eis schmilzt und was die Vögel fressen, die Vorhersagen verbessern könnten.
Gang Zhang (Universität in Bowling Green in Ohio) et al.: Journal of Virology, Bd. 80, S. 12229
ddp/wissenschaft.de – Sabine Keuter

















