Was Seeschlangen trinken
Auch die Meerestiere sind für ihren Wasserhaushalt auf Süßwasser angewiesen
Auch die in den Ozeanen beheimateten Seeschlangen können ihren Durst nur mit Süßwasser stillen. Haben sie dagegen ausschließlich Salzwasser zur Verfügung, gehen sie auf Dauer ein, haben amerikanische Biologen entdeckt. Das erklärt auch die örtliche Verteilung der Meeresreptilien, denn diese kommen hauptsächlich entlang von Küsten mit Süßwasserquellen oder in Gebieten mit viel Regen vor. Bisher hatten Wissenschaftler geglaubt, dass die Schlangen das Meerwasser effektiv entsalzen können und daher nicht von Süßwasser abhängig sind.
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Bei Wirbeltieren ist die Niere für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt zuständig. So sorgt sie etwa dafür, dass bei Flüssigkeitsmangel nicht zu viel Wasser ausgeschieden wird, indem sie den Urin aufkonzentriert und so Wasser zurückhält. Viele Meerestiere verfügen außerdem über zusätzliche Mechanismen, um das überschüssige Salz aus dem Meerwasser wieder loszuwerden. Bei Seeschlangen ist dafür die so genannte Salzdrüse unter der Zunge verantwortlich.
Die scheint aber nicht auszureichen, vermutete der US-Forscher Harvey Lillywhite, als seine Seeschlangen im Labor einfach nicht in Salzwasser gedeihen wollten. In Süßwasser fühlten sich die Tiere dagegen wohl – für den Biologen Grund genug, auch andere Seeschlangenarten auf ihre Trinkgewohnheiten zu überprüfen. In den Küstengewässern Taiwans sammelten er und seine Kollegen drei verschiedene Arten der Gattung Laticauda, der so genannten Plattschwanz-Seeschlangen. Im Labor mussten die Schlangen dann so lange Zeit in Salzwasser verbringen, bis sie dehydriert waren. Daraufhin siedelten die Forscher die Schlangen in Behälter mit unterschiedlichen Salzwasserkonzentrationen um. Trotz des Flüssigkeitsmangels tranken die Tiere nur Süßwasser oder mit Süßwasser verdünntes Meerwasser, das maximal ein Viertel des ursprünglichen Salzgehalts hatte. Wasser mit einem Salzgehalt von 50 oder mehr Prozent des unverdünnten Meerwassers verschmähten sie dagegen.
In einem weiteren Experiment ließen die Forscher die Schlangen in Salzwasser zehn Tage lang hungern. Die Tiere, die alle zwei Tage für eine Stunde Zugang zu Süßwasser hatten, verloren durch diese Prozedur weniger Gewicht als ihre Artgenossen, die die ganze Zeit in Salzwasser verbracht hatten. Zumindest die untersuchten Schlangenarten sind also auf Süßwasser angewiesen, berichten die Forscher. Das gelte wahrscheinlich jedoch auch für andere Arten. An Süßwasser zu kommen, ist wohl auch auf dem offenen Meer kein allzu großes Problem, wenn es genug regnet: Das Regenwasser bildet unter ruhigen Bedingungen eine dünne Süßwasserschicht auf dem Meerwasser, was für die Schlangen vollkommen ausreicht, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Science, Onlinedienst
Originalarbeit der Forscher: Harvey Lillywhite (Florida-Universität, Gainesville) et al.: Beitrag auf der Konferenz der Society for Integrative and Comparative Biology
ddp/wissenschaft.de – Annette Schneider


















