Kurze Telomere gehen ans Herz
Forscher finden bei Menschen mit kürzeren Chromosomenenden ein größeres Herzkrankheitsrisiko
Britische Forscher haben einen Zusammenhang zwischen dem Risiko für Herzprobleme und den Enden der Chromosomen in den Körperzellen entdeckt: Männer, bei denen diese so genannten Telomere kürzer sind, entwickeln häufiger Durchblutungsstörungen des Herzens als gleichaltrige Männer mit längeren Telomeren. Da bei jeder Zellteilung die Länge der Chromosomenenden abnimmt, repräsentiert sie eine Art innere biologische Uhr. Ob diese Uhr jedoch direkt das Risiko für Herzerkrankungen beeinflusst oder ob sie lediglich das Wirken anderer Risikofaktoren widerspiegelt, können die Forscher noch nicht sagen.
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Die Telomere sind fadenartige Strukturen am Ende jedes Erbgutmoleküls, die sich im Lauf des Lebens bei jeder Zellteilung verkürzen. Unterschreiten sie dabei eine kritische Länge, geht wichtige genetische Information verloren und die Zelle kann ihre Aufgaben nicht mehr voll erfüllen. Daher ist die Telomerlänge ein Indikator für das Alter und die Lebenserwartung einer Zelle und gilt als einer der Schlüsselfaktoren beim Altern. Um den Einfluss dieser biologischen Uhr auf das Risiko für Herzkrankheiten zu untersuchen, analysierten Scott Brouilette und seine Kollegen nun zweimal im Abstand von fünf Jahren das Erbgut aus weißen Blutkörperchen von mehr als 1.500 Freiwilligen.
Das Ergebnis: Probanden, deren Telomere vergleichsweise kurz waren, hatten während der Studiendauer mit einer fast doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit eine Herzkrankheit entwickelt wie ihre Altersgenossen mit längeren Chromosomenenden. Dieser Einfluss war unabhängig von dem anderer Risikofaktoren wie Übergewicht, hohem Blutdruck oder Rauchen, so die Forscher. Möglicherweise produzieren die alternden Blutkörperchen mehr entzündungsfördernde Substanzen, oder aber die Zellen mit den kürzeren Telomeren können Schäden an Blutgefäßen nicht mehr so gut reparieren, vermuten sie. Es könne jedoch auch sein, dass die Telomere durch den ständigen Angriff aggressiver freier Radikale verkürzt seien, wie er für Herz-Kreislauf-Erkrankungen typisch sei, und sie daher lediglich als eine Art Indikator fungieren. Möglich sei auch eine genetische Veranlagung, die Menschen mit kürzeren Telomeren anfälliger für Herzkrankheiten mache.
Interessanterweise verschwand das höhere Risiko der Probanden mit kurzen Telomeren, wenn sie so genannte Statine – Wirkstoffe zum Senken des Cholesterinspiegels – einnahmen. Vermutlich verhinderten die Statine eine weitere Beschädigung der kurzen Chromosomenenden und reduzierten damit auch die negativen Auswirkungen auf das Gefäßsystem des Herzens, erklären die Forscher. Sie wollen nun die genaueren Zusammenhänge untersuchen und testen, ob sich anhand der Telomerlänge eine zuverlässige Vorhersage über das Risiko treffen lässt.
Scott Brouilette (Universität Leicester) et al.: Lancet, Bd. 369, S. 107
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















