Alex' neue Wörter
Graupapagei kann aus bekannten Lauten neue Ausdrücke bilden
Papageien können nicht nur sinnlos Gehörtes nachplappern, sondern auch Laute neu kombinieren und dadurch neue Wörter bilden. Das hat der afrikanische Graupapagei Alex, der seit mehr als 25 Jahren in einer amerikanischen Universität lebt, eindrucksvoll demonstriert: Anstatt das für ihn neue Wort "Spool" (Garnspule) nachzusprechen, griff der Vogel auf sein bereits erlerntes Vokabular zurück und kombinierte ein "S" mit dem Wort "Wool", um einen möglichst ähnlichen Begriff zu erzeugen. Außerdem bezeichnet Alex einen roten Apfel mit dem Wort "Banerry" – eine Kombination aus den ihm bekannten Begriffen "Banane" und "Cherry" (Kirsche). Seine Artgenossen, deren Lautrepertoire weniger groß war, zeigten dieses Verhalten dagegen nicht, berichtet seine Trainerin, die Psychologin Irene Pepperberg.
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Schon länger hatte Pepperberg vermutet, dass der mittlerweile 30 Jahre alte Alex zu echten Imitationen – also der Verknüpfung einer Reihe gewohnter Aktionen in einem neuen Zusammenhang – fähig ist. Bislang hatte sie jedoch lediglich eher unklare Hinweise darauf beobachten können. Das änderte sich, als Arthur, ein dreieinhalb Jahre alter Artgenosse von Alex, in dessen Anwesenheit ein neues Wort lernen sollte, nämlich "Spool". Arthur verwendete beim Lernen die klassische Strategie, mit der nicht nur Papageien, sondern auch kleine Kinder neue Wörter lernen: Zuerst eignete er sich den Vokal, den langen "uuuu"-Laut in der Mitte des Wortes an, und ergänzte dann die Konsonanten.
Die intensive Beschäftigung mit dem neuen Spielzeug machte Alex auf die Spule aufmerksam, und die Forscher begannen, auch ihm das neue Wort beizubringen. Im Gegensatz zur gewohnten Lernstrategie produzierte der Vogel jedoch nicht zuerst den Vokal, sondern sagte von Anfang an "S", gefolgt von einer Pause und dem Begriff "Wool". Die Pause zeige eindeutig, dass dem Tier das fehlende "P" bewusst war, schreibt Pepperberg. Trotzdem nutzte der Papagei in der Folge sein "S-Pause-Wool" konsequent, um die Spule zu bezeichnen.
Alex bekommt seit über 25 Jahren regelmäßig Sprachunterricht und verfügt über ein Repertoire von mehr als 100 Begriffen. Bereits in früheren Untersuchungen hatte er die Forscher verblüfft, etwa weil er die Bedeutung der Zahl "Null" verstand. Obwohl er damit sicher ein Ausnahmetalent darstellt, zeigt die neue Studie doch, dass Papageien prinzipiell mehr können als sinnlos Laute nachzuäffen: Um derartige Neukombinationen zu erzeugen, müssen sie ihre Sprachverarbeitung kontrollieren und ihre vorhandenen Kenntnisse analysieren können, so Pepperberg.
Mit einer genaueren Kenntnis der dahinterliegenden Mechanismen könnte eine ähnliche Strategie in Zukunft beispielsweise genutzt werden, um Robotern Sprache beizubringen. Auch werfe die Studie ein neues Licht auf die Frage, wie Sprache während der Evolution entstanden ist und inwieweit sich die Sprachfähigkeit des Menschen von der der Tiere unterscheidet.
Irene Pepperberg (Brandeis University, Waltham): Language Science, Bd. 29, S. 1
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















