Out of Africa - mit Magenschmerzen
Helicobacter pylori plagte Menschen wohl schon vor 60.000 Jahren
Als die ersten modernen Menschen vor 60.000 Jahren von Ostafrika aus die Welt besiedelten, waren bereits viele von ihnen mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert. Der Magengeschwüre verursachende Keim lebte seither in Gemeinschaft mit dem Menschen, hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. Das Wissen um die Ausbreitung dieses Bakteriums könnte künftig Forschern helfen, die frühe Ausbreitung des Menschen besser zu verstehen.
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Die Wissenschaftler verglichen die Erbinformation von über fünfhundert Proben des Bakteriums Helicobacter pylori aus Europa, Afrika und Asien und rechneten deren weltweite Ausbreitung mit Computermodellen nach. Wie sie feststellten, haben die untersuchten Bakterienstämme einen gemeinsamen Ursprung, der sich zeitlich und örtlich mit der Wiege des modernen Menschen vor rund 60.000 Jahren in Ostafrika deckt. Die Ausbreitung des Magenbakteriums und die des modernen Menschen verliefen parallel zueinander, konnten die Forscher zeigen. Sie gehen deshalb davon aus, dass bereits die ersten modernen Menschen mit dem Magenbakterium lebten.
In den genetischen Unterschieden der Helicobacter-pylori-Stämme spiegeln sich auch kleinräumigere Wanderbewegungen wider, wie etwa jene der jungsteinzeitlichen Kulturen in Europa. Die neuen Erkenntnisse zur Ausbreitung des Magenbakteriums könnten daher helfen, weniger bekannte Wanderbewegungen der Menschen besser zu verstehen.
Wie heute bekannt ist, produziert Helicobacter pylori natürlicherweise Ammoniak, womit es die Magensäure neutralisieren und in der Magenschleimhaut überleben kann. Mehr als die Hälfte aller Menschen weltweit sind mit dem Bakterium infiziert. Eine Infektion ist die Hauptursache für drei von vier Magengeschwüren.
Bodo Linz (Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI 10.1038/nature05562
ddp/wissenschaft.de – Fabio Bergamin

















