Nächtliche Angriffe auf Zugvögel
Im Mittelmeerraum machen Fledermäuse Jagd auf Singvögel
Zugvögeln droht auf ihren nächtlichen Flügen von und zu ihren Winterquartieren in Afrika Gefahr durch Fledermäuse: Der Riesenabendsegler, die größte europäische Fledermausart, macht im Mittelmeerraum Jagd auf Singvögel, konnten nun Biologen aus Spanien und der Schweiz nachweisen. Bislang war umstritten, ob Zugvögel auch in der Nacht natürliche Feinde haben.
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Carlos Ibáñez von der biologischen Forschungsstation im Doñana-Nationalpark bei Sevilla und seine Kollegen hatten bereits vor einigen Jahren Vogelfedern im Kot von Riesenabendseglern gefunden und daher vermutet, dass sich diese seltene, im Mittelmeerraum vorkommende Fledermausart auch von kleinen Zugvögeln ernährt und nicht ausschließlich von Insekten wie die anderen europäischen Fledermausarten. Einige Fledermausexperten waren jedoch skeptisch und bezweifelten diese Interpretation, denn nie zuvor sind in Europa Fledermäuse beschrieben worden, die Jagd auf Vögel machten.
Nun untersuchten die Forscher Blutproben des Riesenabendseglers und seiner Beute und konnten anhand der Isotopen-Verhältnisse von Kohlenstoff und von Stickstoff auf die Ernährungsgewohnheiten der Fledermäuse schließen. Das Ergebnis: Riesenabendsegler ernähren sich nur im Sommer ausschließlich von Insekten. Wenn im Frühjahr und Herbst hingegen riesige Zugvogelschwärme über den Mittelmeerraum fliegen, fressen sie auch kleine Singvögel. Im Herbst, wenn die europäischen Zugvögel mit ihren Jungen ins afrikanische Winterquartier ziehen, sind diese sogar ihre Hauptnahrungsquelle. Junge, unerfahrene Vögel sind eine leicht zu jagende Beute, vermuten die Wissenschaftler.
Weitere natürliche Feinde der Zugvögel sind Greifvögel wie Falken und Eulen. Doch die Falken sind tagaktiv und die Eulen, typische nachtaktive Räuber, jagen nicht im offenen Gelände und erbeuten nur Tiere, die sich selbst durch Rascheln oder Knistern verraten. Fledermäuse hingegen senden Ultraschallwellen aus, um ihre Beute in der Nacht zu orten. Diese Fähigkeit erlaubte es dem Riesenabendsegler, eine ökologische Nische zu besetzen. Er kommt nur in begrenzten Gebieten des Mittelmeerraums vor, da die verschiedenen Vogelzugrouten über dem Mittelmeer zusammenlaufen, vermuten die Forscher.
Ana Popa-Lisseanu (CISC, Sevilla) et al.: PLoS ONE, Bd. 2, Artikel e205
ddp/wissenschaft.de – Fabio Bergamin


















