Müde Moral bei Schlaflosen
Studie: Schlafentzug verlangsamt die moralische Entscheidungsfindung
Schlafmangel hat nicht nur für den Körper negative Folgen: Menschen, die schlecht oder überhaupt nicht geschlafen haben, können persönliche moralische Entscheidungen weniger schnell treffen als im ausgeschlafenen Zustand. Dies fanden Forscher vom Walter-Reed-Forschungsinstitut der US-Armee in Silver Spring bei Experimenten mit Freiwilligen heraus.
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William Killgore und seine Kollegen versetzten erwachsene Versuchsteilnehmer in moralisch verzwickte Situationen. Dabei mussten diese sowohl mit genügend Schlaf als auch nach 53 Stunden ununterbrochener Wachheit beurteilen, ob sie bestimmte Handlungsoptionen für angemessen halten oder nicht. Um sich in moralischen Fragen zu entscheiden, benötigten die Freiwilligen nach der langen Periode ohne Schlaf deutlich mehr Zeit, sowohl im Vergleich zum ausgeschlafenen Zustand als auch im Vergleich zu nicht moralischen Entscheidungen. In ihren Erwägungen waren sie nach dem Schlafentzug zwar insgesamt nicht weniger moralisch, doch tendenziell weniger nachsichtig und tolerant.
Die Naturwissenschaften könnten zwar nicht die Richtigkeit von moralischen Erwägungen beurteilen, wohl aber, wie das menschliche Gehirn solche Entscheidungen fällt und welche inneren und äußeren Einflüsse zur Entscheidungsfindung beitragen, so Killgore. Schlafentzug hätte einen besonderen Einfluss auf die Hirnregionen, in denen emotionale Erregungen wahrgenommen und verarbeitet würden.
Die Studienergebnisse sind vor allem für Menschen von Bedeutung, die von Berufs wegen auch noch nach langen Arbeitseinsätzen moralische Entscheidungen fällen müssen wie Rettungskräfte, Ärzte oder Soldaten. Diese Menschen könnten bei Schlafmangel Mühe haben, sich in emotional bewegenden Fragen zu entscheiden, und die Entscheidungen könnten sich von solchen unterscheiden, die sie in völlig ausgeruhtem Zustand fällen, so Killgore.
William Killgore (Walter-Reed-Forschungsinstitut der US-Armee, Silver Spring) et al.: Sleep, 1. März 2007
ddp/wissenschaft.de – Fabio Bergamin

















