Schutzgeld für die Vogelmafia
Stärlinge nötigen fremde Vögel, ihre Eier auszubrüten
Vögel aus der Familie der Stärlinge bedienen sich mafiaartiger Methoden, um anderen Vögeln ein eigenes Ei zur Brut unterzuschieben: Wenn der in Nordamerika heimische Braunkopf-Kuhstärling merkt, dass sein Ei aus dem Nest eines Zitronenwaldsängers herausgekickt wird, zerstört er das Gelege des Verweigerers. Durch dieses Verhalten kann er die Waldsänger dazu zwingen, die fremde Brut künftig mit aufzuziehen, haben amerikanische Forscher um Jeffrey Hoover von der Naturschutzbehörde des US-Staates Illinois iherausgefunden. Um möglichst viel eigene Brut durchzubringen, zahlt es sich für die Waldsänger langfristig aus, den fremden Gast im Nest zu akzeptieren.
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Die Forscher beobachteten in einem Feuchtgebiet im Süden von Illinois rund 180 Nester des Zitronenwaldsängers. Als Nester hatten die Forscher dem eigentlich in Baumhöhlen brütenden Vogel Nistboxen angeboten. Hoover und seine Kollegen untersuchten, ob der Braunkopf-Kuhstärling ein Ei dem Zitronenwaldsänger unterschieben konnte und ob solch ein Ei herausgeworfen oder akzeptiert wurde. Außerdem griffen sie manipulierend ein, indem sie selbst die braun getupften Kuhstärlingseier entfernten.
Wurde das Ei des Brut-Schmarotzers entfernt, so zerstörte er in 56 Prozent der Fälle die verbliebenen Gelege der Waldsänger. Hatte der Singvogel indes das Ei akzeptiert, kam es nur in sechs Prozent der Fälle zu Zerstörungsaktionen. Die Forscher fanden aber auch heraus, dass die Vögel eine Drohkulisse aufbauten: Auch wenn sie nie ein Ei ins Nest gelegt hatten, zerstörten sie das Gelege der Zitronenwaldsänger bei zwanzig Prozent der Nestbesuche. Danach muss der Vogel das Nest neu bauen und der Brutschmarotzer hat eine weitere Chance, sein Ei zu platzieren. Er nutzt diese Gelegenheit mit Erfolg, wie die Forscher herausfanden, denn in 85 Prozent der neu gebauten Nester fanden sie die rot getupften Eier des Stärlings. Das mafiaartige Verhalten dieses Schmarotzers ist den Forscher zufolge eine Erklärung dafür, wieso Vögel die untergeschobenen Eier dulden, obwohl sie diese deutlich von den eigenen Eiern unterscheiden können.
Jeffrey Hoover (Naturschutzbehörde von Illinois, Champaign) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0609710104
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer


















