Keine Lust auf Neues
Meeresschildkröten kehren immer wieder zu den gleichen Nahrungsgründen zurück
Meeresschildkröten legen nicht nur ihre Eier immer am selben Ort ab, sie kehren auch zum Fressen immer wieder auf den gleichen Wegen zur selben Stelle zurück. Das haben britische Wissenschaftler bei zwanzig Schildkrötenweibchen beobachtet, die zwischen ihren Nistplätzen am Strand und ihren Futterstellen im Mittelmeer hin- und herwanderten. Zudem halten die Tiere – einmal an einem geeigneten Futterplatz angekommen – während des gesamten Jahres dem ausgewählten Ort die Treue und tauchen nur im Winter zum Fressen in tiefere Meeresschichten ab. Die Studie ermögliche einen genaueren Einblick in das bisher eher unbekannte Verhalten von Schildkröten im Meer, so die Forscher.
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Die Wissenschaftler um Annette Broderick statteten jeweils zehn Weibchen der Grünen Meeresschildkröte und der Unechten Karettschildkröte mit einem Sender aus und beobachteten ihre Wanderungen von ihren Eiablageplätzen auf Zypern zu den Nahrungsgründen an der nordafrikanischen Küste. Fünf Tiere, die nach bis zu fünf Jahren zur erneuten Eiablage an den jeweiligen Strand zurückkamen, verfolgten die Biologen ein zweites Mal. Alle fünf Weibchen benutzten dabei stets nahezu die gleiche Wanderroute und suchten zum Fressen exakt den gleichen Ort auf. Zudem blieben alle Schildkröten während des gesamten Beobachtungszeitraums an den gleichen Nahrungsgründen und suchten sich keine neuen Futterstellen. Lediglich im Winter tauchten sie in tieferes Gewässer, wobei die Biologen Tauchgänge von bis zu zehn Stunden beobachteten – ein Rekord unter den Meereswirbeltieren.
Zwar war bisher bekannt, dass Meeresschildkröten zur Eiablage immer an ihren Geburtsstrand zurückkehren, doch sei die Treue zu den Nahrungsgründen und den Wanderungsrouten erstaunlich, so die Wissenschaftler. Weshalb die Tiere immer wieder an den gleichen Orten auf Nahrungssuche gehen, ist noch ungeklärt. Möglicherweise verteidigen die Schildkröten ihr Revier oder aber Nahrungsmangel und die Nähe von guten Überwinterungsgebieten zwingen die Tiere dazu, an bestimmten Futterstellen festzuhalten, vermuten die Wissenschaftler. Für die Zukunft der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten sei es daher wichtig, ihre Lebensräume und Wanderkorridore besser zu erforschen und zu schützen.
Annette Broderick (University of Exeter) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2007.0211
ddp/wissenschaft.de – Claudia Hilbert

















