Wie aus Vögeln Optimisten werden
Fühlen sie sich in ihrer Umgebung wohl, erwarten sie eher positive Ereignisse
Wenn sich Vögel in Gefangenschaft in ihrer Behausung wohl und heimisch fühlen, gehen sie das Leben optimistisch an. Lassen dagegen ihre Lebensbedingungen zu wünschen übrig, werden sie eher zu Schwarzsehern, haben britische Wissenschaftler bei Versuchen mit Staren nachgewiesen. Sollte sich dieser Zusammenhang auch bei anderen Vögeln finden, könnte in Zukunft ein relativ einfacher Verhaltenstest helfen, das Wohlbefinden der Tiere zu beurteilen, glauben die Wissenschaftler. "Wir können den Schutz der Tiere nicht verbessern, wenn wir keine Möglichkeit haben, ihre emotionale Verfassung einzuschätzen", erklärt Studienleiterin Melissa Bateson.
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Für ihre Tests brachten die Wissenschaftler einigen Staren bei, dass in Behältern mit weißen Deckeln immer ein leckerer Wurm auf sie wartet und in Dosen mit schwarzen Deckeln immer ein Häppchen mit einem widerlich bitteren Geschmack. Anschließend brachten sie einen Teil der Tiere in großen, geräumigen Käfigen mit Ruheästen und Wasserbädern unter, während die anderen mit Standardkäfigen ohne diese Ausstattung vorlieb nehmen mussten. Im eigentlichen Testlauf bekamen die Stare dann Behälter mit grauen Deckeln vorgesetzt, deren Farbe zwischen hell und dunkel lag.
Die Stare aus den gemütlichen Käfigen erwiesen sich als wahre Optimisten, beobachteten die Forscher: Sie schienen das Grau als helle Farbe zu interpretieren und öffneten, offensichtlich in Erwartung eines schmackhaften Wurms, begierig den Deckel. Die Vögel aus den herkömmlichen Käfigen zeigten dagegen keinen solchen Optimismus und gaben sich mit dem Deckel gar nicht erst ab, wohl weil sie davon überzeugt waren, ohnehin lediglich das bittere Futter vorzufinden. Ähnliche Ergebnisse erhielten die Forscher, als sie den Staren beibrachten, unterschiedlich lange Lichtsignale mit einer sofortigen oder einer verzögerten Belohnung zu assoziieren.
Demnach scheinen die Vögel die Art, wie sie Informationen verarbeiten, von den jeweiligen Umweltbedingungen abhängig zu machen, schließen die Forscher. Das sei eine ähnliche Reaktion, wie sie auch Menschen zeigen, beispielsweise wenn sie in einer ängstlichen Verfassung sind und in einem unförmigen Schatten sofort eine Spinne zu erkennen glauben. Ein Zugang zum Verständnis der emotionalen Prozesse bei Tieren ist Batesons Ansicht nach entscheidend, um Nutz-, Haus- oder Zootieren bessere Lebensbedingungen bieten zu können – schließlich kann richtig interpretiertes Verhalten schon sehr früh auf Probleme hindeuten und dem Tierhalter die Möglichkeit zum Reagieren geben, bevor Verletzungen oder ernsthafte Gesundheitsprobleme entstehen.
Melissa Bateson (Universität Newcastle) et al.: New Scientist, 28. April, S. 15
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















