Affige Zeichensprache
Forscher beobachten Kommunikation mit Gesten und Gebärden bei Schimpansen
Menschenaffen kommunizieren mit einer eigenen Zeichensprache, die sich sogar zwischen einzelnen Gruppen unterscheiden kann. Das hat ein amerikanisches Forscherduo bei der Beobachtung mehrerer Schimpansen- und Bonobo-Gruppen herausgefunden. Während Gesichtsausdrücke und Tonlaute bei beiden Arten das Gleiche bedeuten, variierte der Einsatz von Gebärden zwischen den beiden Arten stark. Die Ergebnisse stützen die bereits seit längerem bestehende Theorie, dass Gesten die ursprünglichste Form der Sprache sind und wahrscheinlich auch der menschlichen Sprachfähigkeit vorausgingen, so die Wissenschaftler.
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Während sich alle Primaten mit Stimmlauten und Gesichtsausdrücken verständigen, benutzen nur Menschen und Menschenaffen zusätzlich ihre Gliedmaßen als Mittel der Kommunikation. Dabei entwickelten sich die Gesten beim Menschen vermutlich noch vor dem gesprochenen Wort und gelten daher als Ursprung der menschlichen Sprache. Wie Hände und Füße genau eingesetzt werden und wie das Gegenüber auf solche Gebärden reagiert, ist noch weitgehend ungeklärt.
Das amerikanische Forscherduo beobachtete nun jeweils zwei Schimpansen- und Bonobo-Gruppen mit insgesamt 47 Tieren. Dabei teilten die Biologen die Hand- und Fußzeichen und die Gesichts- und Lautsignale in mehrere Klassen ein und untersuchten, in welcher Situation und mit welchem Zweck die Affen ein bestimmtes Zeichen benutzten. Wie die Forscher feststellten, sind Gesichtsausdrücke und Stimmlaute stark an den jeweiligen Zusammenhang gebunden und besitzen bei beiden Arten damit etwa die gleiche Bedeutung. Ihre Hände und Füße verwendeten die Affen dagegen sehr flexibel, und die Signale unterschieden sich sogar zwischen den Gruppen derselben Art. Dasselbe Handzeichen könne demnach in einer anderen Situation oder innerhalb einer anderen Gruppe etwas völlig anderes bedeuten, während beispielsweise ein Schrei stets eine Reaktion auf einen Angriff oder eine Bedrohung sei, erklären die Wissenschaftler.
Interessanterweise erhielten Bonobos häufiger eine Antwort ihrer Artgenossen, wenn sie Mimik, Gestik und Stimmlaute miteinander verbanden, wobei sie solche kombinierten Signale nur selten verwendeten. Die Zwergschimpansen setzen die jeweiligen Kommunikationsmittel vermutlich bewusst ein, anstatt sie lediglich unüberlegt zusammenzufügen, so die Forscher. Die Verständigung zwischen Bonobos charakterisiere daher wahrscheinlich die Kommunikation zwischen den frühen Vorfahren des Menschen besser, spekulieren die Wissenschaftler. Sie hoffen nun, aus den Ergebnissen Rückschlüsse auf die Entstehung der Sprache beim Menschen ziehen zu können.
Amy Pollick & Frans de Waal (Emory-Universität, Atlanta): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0702624104
ddp/wissenschaft.de – Claudia Hilbert



















