Eine Durchfallimpfung, die auf der Zunge schmilzt
Forscher entwickeln dünne Blättchen für den Einsatz in Entwicklungsländern
Amerikanische Studenten haben die Grundlagen für ein System entwickelt, mit dem selbst Säuglinge einfach und schmerzlos gegen Durchfallerkrankungen geimpft werden können: Der Impfstoff wird in ein hauchdünnes folienartiges Blättchen eingebaut, das auf die Zunge gelegt wird und sich bei Kontakt mit dem Speichel so schnell auflöst, dass das Kind den Wirkstoff automatisch schluckt. Zusätzlich wird der Impfstoff mit einer Substanz beschichtet, die ihn widerstandsfähig gegen die Säure des Magens macht und dafür sorgt, dass er erst im Dünndarm aktiv wird. Ein solches System eigne sich sehr gut für den Einsatz in Entwicklungsländern, wo besonders viele Kinder an Durchfallerkrankungen sterben, erklärt das Entwicklerteam um Christopher Yu. Fertig ist es allerdings noch nicht: Die Entwickler müssen noch eine Möglichkeit finden, Blättchen und Beschichtung mit dem Impfstoff zusammenzubringen.
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Die Biomedizinstudenten konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf eine Impfung gegen die so genannten Rotaviren, eine Gruppe von Durchfallerregern, die nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich mehr als 800.000 Kinder das Leben kosten. Zwar existieren bereits flüssige und gefriergetrocknete Impfstoffe gegen die Viren. Da diese jedoch ständig gekühlt werden müssen, um ihre Wirksamkeit nicht zu verlieren, sind sie beispielsweise für abgelegene Gebiete in Entwicklungsländern nicht gut geeignet. Außerdem tendieren kleine Kinder dazu, unbekannte Flüssigkeiten sofort wieder auszuspucken.
Diese Nachteile treten bei der Blättchen-Impfung nicht auf, so die Tüftler. Die Blättchen sind leicht zu transportieren, benötigen keine Kühlung und haften bis zum Auflösen an der Zunge, so dass sie nicht ausgespuckt werden können. Allerdings konnte das Team für die Herstellung der Folien nicht auf die bereits angewendeten Verfahren zurückgreifen, da die dort verwendeten hohen Temperaturen und scharfen Lösungsmittel den Impfstoff zerstören würden. Es gelang ihnen jedoch, den Prozess so zu modifizieren, dass sowohl Produktion als auch Trocknung der Blättchen bei Raumtemperatur stattfinden. Gleichzeitig fanden die Studenten ein biologisch verträgliches Polymermaterial, das sich in ihre Blättchen einbauen ließ und dessen Eigenschaften vom pH-Wert abhängig sind. Darin, so ihre Vorstellung, soll später der Impfstoff eingekapselt werden, so dass er vor der Magensäure geschützt ist und erst im neutralen pH-Bereich des Dünndarms freigesetzt wird.
Als nächstes will das Team nun darangehen, einen Rotavirus-Impfstoff eines US-Herstellers mit dem Polymer zu beschichten und ihn dann in die Blättchen zu integrieren. Die Entwickler haben das System bereits zum Patent angemeldet und sind zuverlässig, ihre Folien-Impfung noch in diesem Jahr in ersten Tierversuchen testen zu können.
Mitteilung der Johns-Hopkins-Universität, Baltimore
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















