Hammerhai-Nachwuchs in der Frauen-WG
Forscher beobachten erstmalig Jungferngeburt bei den Knorpelfischen
Weibliche Hammerhaie können sich ohne sexuellen Kontakt fortpflanzen. Dieses von Insekten, Amphibien und vereinzelt auch von Reptilien und Vögeln bekannte Phänomen der Jungfernzeugung hat nun zum ersten Mal ein internationales Wissenschaftlerteam um Demian Chapman im Henry Doorly Zoo in Omaha beobachtet. Im Gegensatz zur sexuellen Fortpflanzung entwickelt sich bei der Jungfernzeugung der Nachwuchs aus einer unbefruchteten Eizelle.
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2001 gab es in einem Aquarium des Zoos mit drei weiblichen Hammerhaien unerwarteten Nachwuchs. Ein DNA-Vergleich zwischen dem Baby und den drei weiblichen Hammerhaien ergab, dass das Baby nur DNA-Sequenzen der Mutter und keinerlei Gene männlicher Herkunft besaß.
Mit der Analyse wollten die Forscher ursprünglich die unbekannten Eltern des Hammerhaibabys identifizieren, zumal in dem Aquarium keine Hammerhaimännchen lebten. Die Weibchen hatten somit seit ihrer Gefangennahme als Babys drei Jahre zuvor keinen Kontakt mehr zu männlichen Hammerhaien. Da die Tiere lange vor ihrer Geschlechtsreife gefangen wurden, war es unwahrscheinlich, dass sie sich bereits vor ihrer Gefangennahme gepaart und das Sperma solange aufbewahrt hatten, zumal Hammerhaiweibchen in Freiheit Sperma nur für ungefähr fünf Monate speichern.
Eine genaue Untersuchung der Weibchen zeigte, dass diese auch keinerlei männliche Geschlechtsorgane ausgebildet hatten, so dass eine Selbstbefruchtung ebenfalls ausgeschlossen werden konnte. Die Wissenschaftler konnten damit zum ersten Mal eindeutig eine Parthenogenese, wie die Jungferngeburt wissenschaftlich bezeichnet wird, bei Knorpelfischen belegen.
Bei einer Parthenogenese wird der unbefruchteten Eizelle durch bestimmte Hormone eine Befruchtung vorgespielt, woraufhin sie sich zu teilen beginnt und zu einem Lebewesen heranwächst. Hierbei findet keine Durchmischung des genetischen Materials wie bei einer Befruchtung statt. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Jungfernzeugung häufiger bei Tieren vorkommt, die in einer kleinen, isolierten Population ohne Männchen leben, wie beispielsweise in einem Zoo. Sie befürchten, dass darunter die genetische Vielfalt leidet und sich genetische Defekte stärker ausbreiten könnten.
Demian Chapman (Nova Southeastern Universität, Florida) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.0189
ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker


















