Pflanzen haben Familiensinn
Der Meersenf erkennt seine Verwandten und bevorzugt sie
Pflanzen können ihre direkten Verwandten erkennen und bevorzugen diese beim Konkurrenzkampf um Wasser und Nährstoffe, haben die kanadischen Wissenschaftler Susan Dudley und Amanda File an Meersenf-Pflanzen gezeigt. Stammt eine Gruppe dieser Pflanzen von den gleichen Eltern ab, hat sie in der Natur eine höhere Überlebensrate als eine Gruppe von einander fremden Pflanzen. Die verwandten Pflanzen erkennen sich gegenseitig vermutlich über Wechselwirkungen ihrer Wurzeln, der genaue Mechanismus ist jedoch noch unbekannt.
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Dudley und File untersuchten in ihrer Studie, ob die Anzahl und Verteilung von Wurzeln vom Verwandtheitsgrad der beteiligten Pflanzen abhängt. Dazu pflanzten sie Gruppen miteinander verwandter und nicht verwandter Pflanzen der Meersenf-Art "Cakile edentula" entweder jeweils gemeinsam in einen großen Topf oder als einzelne Exemplare in kleine Töpfe, die sie dann zu einer Gruppe zusammenstellten. Der Vergleich zwischen den verschiedenen Töpfen ergab, dass Anzahl und Verteilung der Wurzeln bei verwandten Pflanzen geringer war als bei einander fremden Pflanzen. Die Pflanzen, die einzeln wuchsen, zeigten hingegen keinen Unterschied in ihrem Wurzelwachstum. Die Forscher schließen aus diesen Ergebnissen, dass sich miteinander verwandte Pflanzen tatsächlich erkennen und dass der Erkennungsprozess in irgendeiner Form über die Wurzeln vermittelt sein muss.
Schon in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass Pflanzen ihre eigenen Chancen erhöhen, indem sie die Überlebensfähigkeit ihrer in der Nähe wachsenden Verwandten steigern. Das Prinzip dahinter ist einfach: Die Pflanzen konkurrieren weniger stark um die vorhandenen Nährstoffe und können dadurch wertvolle Energie einsparen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch andere Pflanzenarten ihre direkten Verwandten erkennen können, da Pflanzen ständig miteinander um Nährstoffe und Wasser konkurrieren.
Susan Dudley, Amanda File (McMaster-Universität, Hamilton): Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.0232
ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker



















