Unruhige Augen sehen mehr
Unwillkürliche Bewegungen des Blicks helfen beim Wahrnehmen feiner Details
Beim Betrachten eines Objekts steht das Auge keineswegs still, sondern bewegt sich unwillkürlich hin und her. Diese unbewussten Augenbewegungen dienen dem Erkennen von feinen Details, haben amerikanische Neurologen um Michele Rucci mithilfe eines Tricks herausgefunden: Sie glichen die feinsten Bewegungen über ein Computerprogramm aus, in dem sie die gezeigten Bilder jeweils in die Gegenrichtung verschoben. Versuchspersonen konnten daraufhin feine Details schlechter wahrnehmen.
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Der Mensch bewegt seine Augen unwillkürlich minimal hin und her, wenn er ein Objekt für längere Zeit anschaut. Über den Grund für diese automatische Augenbewegung diskutieren Forscher schon seit mehr als fünfzig Jahren. Frühere Versuche konnten lediglich zeigen, dass diese Bewegungen des Auges ein Verblassen des Bildes verhindern. Verschiedene Wissenschaftler vermuteten allerdings schon länger, dass durch die unbewussten Augenbewegungen die Wahrnehmung von feinen Details erhöht wird.
Um dies nun zu testen, zeigten die Forscher den Versuchsteilnehmern jeweils ein Bild mit entweder dicken oder dünnen Linien, die schräg auf einem grauen Hintergrund angeordnet waren. Gleichzeitig nahmen sie mit einer Kamera die Augenbewegungen der Betrachter auf. Durch ein Computerprogramm glichen sie in einem Teil der Versuche die Augenbewegungen beim Ansehen der Bilder in Echtzeit aus. Die Versuchsteilnehmer mussten jeweils bestimmen, in welche Richtung die Linien auf dem Hintergrund angeordnet waren.
Bei den dicken Linien gelang ihnen das – unabhängig davon, ob die Augenbewegungen ausgeglichen wurden oder nicht. Bei den dünnen Linien hingegen taten sich die Teilnehmer deutlich schwerer, die Richtung richtig anzugeben, wenn ihre Augenbewegung ausgeglichen wurde. Die Wissenschaftler schließen aus diesem Ergebnis, dass die unwillkürlichen Augenbewegungen dem Gehirn helfen, Feinheiten zu unterscheiden. Sehen funktioniere nicht wie bei einer Kamera, mit der ein Bild aufgenommen und anschließend analysiert wird, sondern der eigentliche Prozess des Schauens beeinflusse, was man sehe, erklärt Michele Rucci.
Michele Rucci (Universität von Boston) et al.: Nature, Bd. 447, S. 851
ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker

















