Pinguin im Großformat
Forscher finden Millionen Jahre alte Exemplare in Peru
Vor 36 Millionen Jahren lebten im heutigen Peru Riesenpinguine, die über 1,50 Meter groß waren und einen ungewöhnlich langen Schnabel besaßen. Schon sechs Millionen Jahre früher war dort außerdem eine bislang ebenfalls unbekannte Pinguinart von der Größe heutiger Königspinguine heimisch. Das zeigen Knochenfunde aus der Provinz Ica südlich von Lima. Die Pinguine müssen also mehr als dreißig Millionen Jahre früher als bisher angenommen aus dem tiefen Süden in Richtung Äquator gewandert sein – zu einer Zeit, als das globale Klima ungewöhnlich warm war.
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Beide Pinguine gehören zu bislang unbekannten Arten aus neuen Gattungen. Der kleinere von beiden, Perudyptes devriesi, lebte vor 42 Millionen Jahren und war mit einer Größe zwischen 75 und 90 Zentimetern etwa so groß wie die Königspinguine, die zweitgrößte heute lebende Pinguinart. Von ihm haben die Forscher Schädel, Unterkiefer, Halswirbel, Rippen, Oberarmknochen, einen linken Handknochen, Kreuzbeinteile, Oberschenkel, ein rechtes Schienbein und einen Fußknochen vom linken Fuß gefunden. Er stammte ursprünglich wohl aus der Antarktis.
Etwas weniger umfassend waren die Funde des Riesenpinguins Icadyptes salasi, dessen Überreste – Schädel, neun Wirbel, Teile der beiden Schultern, ein linker Oberarmknochen, Elle, Speiche, Handknochen und Fingerteile – etwa 36 Millionen Jahre alt sind. Er kam wahrscheinlich unabhängig von P. devriesi in einer Art zweiten Einwanderungswelle von Neuseeland aus nach Südamerika. Beide Pinguinarten besaßen im Gegensatz zu den heute lebenden Tieren ungewöhnlich lange, gerade und sehr kräftige Schnäbel. Die Forscher vermuten, dass die Vögel eine Seitenlinie bei der Entwicklung der Pinguine bildeten und keine direkten Vorfahren der heutigen Arten sind.
Besonders interessant an den Funden sei die Tatsache, dass die Pinguine schon in einer heißen Treibhausperiode und vor der Abkühlung des globalen Klimas vor 34 Millionen Jahren in der Nähe des Äquators lebten, so die Wissenschaftler. Bisher wurde angenommen, dass sich die Pinguine in den kalten Regionen der Antarktis und Neuseelands entwickelten und erst vor vier bis acht Millionen Jahren, als das globale Klima stark abgekühlt war, in Richtung Norden in die Nähe des Äquators wanderten. Die neuen Funde widerlegen diese These nun jedoch und zeigen, dass zumindest die frühen Pinguinarten nicht auf ein kaltes Klima angewiesen waren.
Julia Clarke (Staatsuniversität von North Carolina) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0611099104
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel



















